Barbara Gauger
Barbara Gauger

Hermann Harry Schmitz, der Düsseldorfer "Dandy vom Rhein" erzählt über dieses und jenes...

......unter anderem über Verborgene Schätze aus Wien, versammelt in der bewährten Kunsthalle Würth im so romantischen Schwäbisch Hall.

 

In berauschender Vielfalt entfalteten sich hier, hoch über den Ufern des Kocher künstlerische Sensationen aus der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Herrlich die Vorstellung, eine derartige Sammlung von Dürer über Botticelli, Rembrandt, Rubens,Tiepolo, Arent de Gelder, Klimt, den treuen Freund Mörikes, Moritz von Schwind bis hin zu früher Fotografie und Andy Warhol zu Studienzwecken oder sonstigen ästhetischen Behufen wandelnd zu durchmessen - oder manchmal auch stockend , voll wars verdienterweise schon. Und da die Kunstwerke auch nur noch bis zum 8. April dorten mit Blicken gewürdigt werden können, würde ich jedem anraten , der es zeitlich ermöglichen kann, die Gelegenheit noch schnell wahrzunehmen ... bei diesen Bildern schadets nicht, einmal ein Minütchen länger davor zu verweilen. Natürlich ist man üblicherweise zu schüchtern oder vielleicht auch einfach zu bequem, die Äußerungen großer Geister wie die eines Goethe in Frage zu stellen, so sagt es zumindest mein bewunderter Malerfreund Otto Boyer - aber der Graf Lamberg-Sprinzenstein hat da im Jahre 1822 mit seiner der Akademie überlassenen Sammlung schon einen beachtlichen Grundstein gelegt, ein "großer Liebhaber der Kunst" habe aus einer "großen Menge Gemälde" treffsicher die besten herauszudestillieren vermochte ... so berichtet es der geistvolle Geheimrat an den von ihm so geschätzten  Maler Jakob Philipp Hackert und an den Fürsten Pückler-Muskau.

 

In besonderem Maße verzaubert haben mich als ausgemachten Liebhaber der Zeichenkunst natürlich in erster Linie die Exponate aus der Sektion des Kupferstichkabinettes, ein herrlicher Sebastian aus dem Umkreise von Bartholomäus Spranger, der noch im angedachten größeren Formate aufgezogen war und eine Zeichnung von Anselm Feuerbach. Die Kreidestudie eines Okeanos dunkel und rötelfarbig auf blauem Papier, gedacht als Entwurf für ein Deckengemälde für die Aula der Akademie ... phantastisch, mit sicherem lockeren Strich sich wolkengleich auf dem Zeichengrunde hebend ... ein Traum. Ein Traum, der natürlich meine gepflegte Auffassung bestätigt, daß so manche Entwurfsskizze das fertige Gemälde, das daraus entsteht, an genialem Wurfe und Sicherheit des Ausdrucks im Striche übertrifft. Man mag sich sezessionsgerechterweise auch über die Anton von Werners und derlei Historienpinsler im Dienste gekrönter Häupter mokieren, aber auch in diesen Schwäbisch Haller Räumen bewies eine Zeichnung Makarts, ähnlich wie auch eine Gemäldestudie aus seiner Hand in den Berliner Museen, daß auch er zu lebendiger Bildauffassung mit durchaus kühner Hand und angemessener Offenheit fähig ist.

 

Über die Schwunghaftigkeit der gezeigten Rubens... keine Worte, schon beneidenswert, was der Herr von Lamberg-Sprinzenstein mit Silen, Esther und Ahasver, der heiligen Cäcilia und dem Hieronymus so versammeln konnte.

Und den Akademieschülern es eben ermöglichte, daran den Blick zu schärfen.

Die sieht man allerdings auf dem berühmten Abbilde der Aktmaler nicht, eher schon die Granden der Gesellschaft beim Studium des entkleideten Modellmannes, auch Herrn Quadal, den Erschaffer selbigen Gemäldes in künstlerischer Eigeninszenierung im Vordergrunde...

.

Was soll ich weiterschwärmen, ein gezeichneter Drache von Carracci, ein bezaubernd lebensvolles und feinsinniges Bild des in Heilbronn geborerenen Lehres der Akademie, Heinrich Friedrich Füger, sein Söhnchen Heinrich Adam im blauen Kleide, die Glyptothekensammlung mit der Medusa, die auch ein Liebhaber von Versaces Modeereignissen allzugern wiedererkennt, ein traumhafter Park von Max Beckmann mit Fahrradfahrern in geheimnisvollem Lichte und besonders witzig die Secessionsvogerl- Briefmärkchen von Friedrich König und die Postkartenentwürfe einer Alice Wanke ... . Ob die in den Genuß der Königsdisziplin im Aktsaale kam... wer weiß ? Die Zeichnungen gelangen auch so ... und für den Freund Sloweniens war mit einer Zeichnung von Hans Staudacher, Ljubljana, Adria, Jugoslawien, Du sollst nicht sein auch noch gesorgt

.....

 

Kunsthalle Würth

Lange Strasse 35

74523 Schwäbisch Hall

 

-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

 

 

... wenn Du noch einen Onkel hast, und der geschickterweise auch noch ein "Hamborger"  ist, also einer von denen, die an der Hamburger Börse mit Borgen ein beachtliches Vermögen anzuhäufen wussten, so rate ich Dir tunlichst, ihn in bester, erbneffenhaftester  Weise zu umgarnen. Ob der Harry Heine mit seinem Elbonkel Salomon immer in der von mir empfohlenen Manier verfahren ist, weiss ich freilich nicht zu sagen. Dass er aber aus dessen Töpfen beträchtliche Revenuen genoss, soll verbürgt sein. Ich, der ich wenig dazu aus eigener Anschauung vermerken kann, hielt den "Hamborger" bisher, folgend dem Verfasser des launigen Heine-ABC dariums, Herrn Christian Liedtke, für eine Erfindung aus dem feuilletonistischen Zettelkasten des von mir so verehrten Düsseldorfer Spoetters. Nun aber machte ich die Bekanntschaft eines "Humbürgers", oder allgemeiner ausgedrückt mit dem Humbug und dessen Variationen. 

 

Wie viele größere Geister war auch der Erfinder des "Humbürgers", Ion Luca Caragiale (1852-1912), kleinteiligeren erdachten Vorwürfen des "Plagiates" ausgesetzt, vorgebracht von dem Schriftsteller C. Al. Ionescu. Dies trieb ihn um 1904 ins Exil nach Berlin und ins selbstauferlegte Schreibverbot; hier zeugen noch eine Gedenktafel am Hohenzollerndamm 201 und ein Denkmal in Pankow von seiner Anwesenheit. Zu seinem verdienten Glücke kopierte sich auch der Name Ionesco im Leben des  Monsieur Caragiale und der bekanntere Eugène Ionesco kündete denn auch vom Können des Verfassers höchst anregender Grotesken und spielerisch satirischer Beschreibungen z. B. aus dem Bühnenleben der legendären Duse..... Eleonora Duse  - Mounet-Sully.

 

Zu meiner höchstpersönlichen Freude kontrapunktiert gerade diese mit der Mär des mit sonorer Sonderstimme singenden Esels, zu dessen Vortrag der Ion als Zeuge musikalischen Könnens gebeten wird. Eine herrliche Variation des Themas vom unsichtbaren Bilde im Pfaffen Amis oder natürlich von Des Kaisers neuen Kleidern - in diesem Falle mit realistischerem Ende, was die Poesie der Erzählung nicht behindert.

Herrlich zu lesen ist natürlich auch von der Humbürgerin - und Nationalität hin oder her - ähnelt sie doch in ihrer Vorliebe für die Inzenierung von Trauer und schwarzen Spitzentüchern nicht nur den gustavianischen Ablebenspatheteten, wie sie Carl Michael Bellman in seinen Beerdigungsparodien zeichnet - nein,

es finden sich auch Gemeinsamkeiten mit der Düsseldorfer Mutter aus der Kaiserzeit, die es vergeblich gelüstete, theatralisch wie die Rebekka West auf den Bühnenbrettern des Schauspielhauses in den hausfräulichen Freitod zu stürzen - was sie nicht in geeigneter Weise  dekorativ umsetzen konnte:  Besaß sie doch bloss einen einfachen Wollschall. Die arme Rheinländerin behalf sich zu ihrem Unglück mit der "vorzüglichen Kaffeemaschine". Das würde die Humbürgerin nicht tun. Das Selbstbewußtsein der Humbürgerin ist hierin ein gehobeneres - die Humbürgerin bevorzugt die Teilnahme an fremden Begräbniszeremoniellen.

 

Aus der Sicht eines Zeitgenossen des Ion Luca Caragiale und als Verfasser von Grotesken "In der Sprache der Nachfahren Teuts ", als affektiver Bewunderer französischer Flaneure im Sinne Baudelaires und auch hoffentlich als "reisender Weltbürger", empfehle ich ganz besonders die Lektüre dieser reizenden Erzählsplitter aus dem Gastland der diesjährigen Leipziger Buchmesse, Rumänien... 

 

Ion Luca Caragiale , Humbug und Variationen

aus dem Rumänischen von Eva Ruth Wemme und mit Nachworten von Eva Ruth Wemme und Dana Grigorcea

Guggolz Verlag Berlin 2018, ISBN 978-3-945370-16-2 

 

 

"... der Humbug sei ein Dämon mit den drei grausigen Köpfen Lüge, Tratsch und Scheelsucht. Der Humbug hält in der Hand einen zweischneidigen Säbel mit einer gedrehten Spitze wie ein Bohrer. mit dem er zubeißt und sticht und durchstößt, wen er quälen will..."

"Der Humbug, sagen sie, ist ein empfindsamer und niedlicher kleiner Gott, geboren aus der zarten Liebe zwischen Frohsinn und Witz" ..." In dieser Hinsicht ist nichts besser, aber zugleich auch verunsichernder, als die Meinungen der alten und modernen Mythologen zu konsultieren" .  

 

Es ist halt so eine Sache mit der Janusköpfigkeit jeder Wahrheit, so  sagt sagt mein gelehrter Oheim Dr. Kühno Kluge-Kopfgeburt; aber was würde ein Mircea Eliade wohl zu dieser Charakterisierung anmerken...?

 

...

auch gerne über einen schönen Sonnentag im Café K - plaudern und caffésieren unter Kiefern bei  Kuchen oder gepflegten kleinen Speisen - was will man mehr ... doch - man will mehr, da es doch immer wieder reizt, die jeweilige Ausstellung im Kolbe Museum baldmöglichst wahrzunehmen.

 

Diesmal freute ich mich besonders auf

 "Die erste Generation" Bildhauerinnen der Berliner Moderne

 

 

"Merkwürdigerweise machen sich ein paar Frauen bemerkbar, wenn auch nicht im besten Sinne. Renée Sintenis ist bizarr und graziös, Käthe Kollwitz ist sehr innerlich (wie in  ihren Radierungen), aber gänzlich verunglückt in der Behandlung der Gliedmaßen; Milly Steger äfft Lehmbruck nach, und Margarete Moll strebt einen Scheußlichkeitsrekord an" , so ein Fritz Servaes anno 1916.

 

 

"Herr Nodnagel schreibt, Fräulein Ilna Wunderwald habe bei dem Lied "Gelbstern" Fräulein Bozena Bradski kopiert. Das ist absolut unrichtig. Erstens hat Fräulein Wunderwald nie im Leben Fräulein Bradsky gesehen, zweitens aber hat Fräulein Bradsky den "Gelbstern" nie gesungen. Ich habe vielmehr dieses Lied in Berlin zuerst von Fräulein Mizzy Birkner singen lasssen, danach haben es Fräulein I. Wunderwald und Fräulein Olga d'Estrée gesungen."

 

Mit diesen Einlassungen rechtfertigte sich das "Ueberbrettl" am 16. 10. 1901 gegeüber einem Plagiationsvorwurf, dem sich die ingeniöse Ilna Wunderwald anlässlich eines ihrer Auftritte im Kabarett des Herrn v. Wolzogen ausgesetzt sah.

Es scheint doch ein probates Mittel, aufstrebende Talente erst einmal der schnöden Nachahmung des Schaffens anerkannter Vorbilder zu bezichtigen. Erstaunlich, wie in diesen beiden Fällen die Schärfe des Vorgebrachten mit dessen offensichtlicher Haltlosigkeit korrespondiert - hätte ich die Rechtfertigung einer Milly Steger vor den Anwürfen des Herrn Servaes anhand der hier gezeigten Werke vorzunehmen, so würde ich nicht müde zu erwähnen, das der Vergleich mit den Tanzenden von Henri Matisse erheblich mehr Sinn ergäbe und die freie Umsetzung derselben in der Plastik eine sehr bereichernde sei - wenn es sich denn überhaupt so verhielte. Milly Steger selbst jedenfalls sah sich am ehesten wohl als Schülerin von Georg Kolbe, vielleicht auch von George Minne.

 

Befremdlich genug, daß Milly Steger eher durch den Skandal um die "Nackerten" die seit 1911 die  Fassade des Hagener Schauspielhauses schmücken, bekannt wurde, als durch die Qualität ihrer  bildhauerischen Arbeit, die der kundige Karl Osthaus natürlich schon zutreffend erkannte - weitsichtig von ihm, daß er den über all diese Kleinlichkeiten erhabenen Blick dieser vier Damen für die Nachwelt zu erhalten wußte. Im Falle der ornamental arbeitenden, gleichwohl erfrischend freien und genialischen Ilna Wunderwald -  ich weiß, auch hier kann ichs nicht lassen, es immer wieder herauszustellen -  ist eine qualifizierte Würdigung ihrer graphisch-aquarellierenden zumeist illustrativen Kunstwerke längst überfälllig ... aber das  ist eine andere Geschichte...

 

Lassen sie sich also die kleine Sensation im Kolbe-Museum nicht entgehen - interessant war es hier, die Arbeiten von Renée Sintenis im Zusammenhang mit den Kolleginnen wahrzunehmen, wo sie vor nicht allzu geraumer Zeit eingebettet in das sammlerische und kunsthändlerische Interesse des Alfred Flechtheim zu sehen waren - ein kleiner Perspektivwechsel ermöglicht doch immer wieder ein vertieftes Verständnis. Na ja, und natürlich die dialogisch auf die Wände gebrachte Dichtung, Else Lasker-Schüler über die Milly Steger, und natürlich von Ringelnatz "Wann sah ein Walfisch je ein Reh, ach Renée, ..." hier aber auch zu den bezaubernden Tierstudien von Christa Winsloe. Für alle, die den Ausstellungen im Kolbe Museum seit jeher gewogen waren, knüpfte das Ganze ja an alte  Tradition, waren in diesen Räumen doch schon 1986 die beeindruckenden Werke von Clara Rilke-Westhoff zu sehen, die leider in dem neueren Film über ihre Freundin Paula Modersohn-Becker eher wieder lediglich als begleitende Künstlerfreundin auftauchte. Interessant erschien auch die teilweise überraschende Verwandtheit mancher Werke einer Jenni Mucchi-Wiegmann zu den Plastiken des Claus Korch, die ebenfalls in diesen Räumen vor ungefähr zwölf Jahren gezeigt wurden. Berliner Tradition, über Ludwig Gabriel Schrieber oder die direkte Anschauung weitervermittelt, oder zeitlos gültige Kunstwerke? Das wäre hier die einer Antwort nicht bedürfende Frage - ist es nicht alles einfach zu schön? 

 

 

Werke von Käthe Kollwitz, Sophie Wolff, Milly Steger, Mary Moll, Tina Haim-Wentscher, Renée Sintenis, Christa Winsloe, Emy Roeder, Jenni Mucchi-Wiegmann, Louise Stomps

 

Georg Kolbe Museum

Sensburger Allee 25, 14055 Berlin

 

info@kolbe-museum.de; 030- 304 21 44, noch bis zu, 17. Juni 2018

 

--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

 

...dann aber denkt Hermann Harry an den Käsekuchen im sommerlichen "Old Laramie" und befindet, dass dieses kleine, feine und so grüne Eiland Spiekeroog ein ganz vortrefflicher Ort ist, auch wenn das Deichtor schon geschlossen ist und die treue Pferdebahn darum nicht rollt ... 

 

und da ja leider nicht immer alle auf diese entzückende Insel fahren können, gibts auch im großstädtischen Bereich bemerkenswerte Ereignisse, klein und fein, auch wenn die Winterstürme schon allerorten toben, nicht nur an der rauhen  Nordseeküste -

 

zuerst einmal das so großzügige "Geschenk" an die Berliner, direkt aus Antwerpen und aus einem der schönsten Museen Europas:

 

Die entrückte und doch so berückende Schönheit der "Madonna von Melun"  des Jean Fouquet (1420-1483?) ist für die Berliner noch bis zum Oktober 2018 in der Gemäldegalerie im Kulturforum am Matthäikirchplatz, zu bewundern .. oder ... 

 

"...eine Verabredung, von der ich schon lange träumte... ....  seltsamschönste Frauendarstellung überhaupt ..." so Durs Grünbeins bewegende Worte über dies Phänomen einer überwältigenden Darstellung aus so fern erscheinender Zeit..

 

...ich aber bestaune fassungslos das Wunder ihrer Schönheit, den alabasterfarbenen Leib, die skulpturale Formung der Figur dieser Dame, die so in sich selbst versunken, scheinbar enthoben, den anscheinend demutsvoll gesenkten  Blick auf ihre so stolz gezeigte Brust und den Kopf ihres Kindes lenkt. Welch herrliche Zartheit in der angedeuteten Rötung ihrer Wangen, der belebteren derer des Kindes mit seinen - man beachte es - ebenso lebendig gefärbten Füßchen, wie  sich durch die leichte Tönung dreier Hautpartien eine Linienführung vom Gesicht der Mutter über die Bäckchen des Kindes bis zu den Zehen des kleinen Jesus ergibt. Wie delikat liegt der mit der anmutigen  Haltung der Arme sich öffnende Umhang über den Schultern der Schoenen, innen mit königlichem und weichem Hermelin gefüttert  --- Das vornehm zurückhaltende Blau des Kleides dieser "lieben Frau" mit dem geöffneten Mieder im Gegensatz zu dem leuchtenden Blau der Cherubim, die fast wie aus rotem Wachs oder Siegellack geformt wirkenden Serafim ---- wie lange könnte man sich hier immer wieder über die dargestellten Stofflichkeiten sinnieren ; von zartestem Schleier bis zum Metall und den Perlen der Krone...

die Vielschichtigkeit der Komposition und die majestätische - andeutungsweise vielleicht sogar stolze oder gar provokante Haltung der jungen Mutter, man würde der Worte unendliche finden --- Maria oder Venus? entscheiden sie selbst - - . Ein schönes, vielleicht humorvolles Detail des Bildes, das mich - aber wer will das aus der Ferne der Zeit beurteilen - an den Entstehungsprozess des Gemaeldes, vielleicht in einer im Atelier des Meisters arrangierten Situation denken läßt, ist die unten rechts im Bild zu sehende Engelsfigur, die das Kind auf dem so kunstvoll in Falten gelegten Stoff von unterhalb zu stützen scheint ...  

 

Genug davon, und sehen Sie selbst, welch ein Weg wird wohl noch derart lohnen ... 

 

 

... großes Innehalten ...

 

 

...ob dieses unschuldige Knäblein, das der Monsieur Fouquet so meisterhaft dargestellt hat, in seinem späteren Leben sich als "puer robustus" erwiesen hat, erörterte Prof. Dr. Dieter Thomä, Verfasser der lesenwerten "Philosophie des Störenfrieds". Es lohnt doch sehr, sich mit den verschiedenen Intentionen, Erscheinungsformen und Wirkungen eines solchen auseinanderzusetzen. Ist er, wie Hobbes ihn definierte ein destruktiver Faktor im Verhältnis zu sinnvollen gesellschaftlichen oder sonstigen Ordnungssystemen, ein Dauerpubertist, ein Diabolo, der Teufel der alles durcheinanderwirft, ein gewaltbereiter zielloser Gemeingefährder oder Terrorist,  ein konstruktives Element oder ein notwendiger Impulsgeber für Entwicklungen jedweder Art. Wie sehen das Rousseau, Schiller, Strauss, Schmitt und weitere große Köpfe; wie schätzen Theologen und Soziologen oder Politologen das Phänomen ein. Was kann die Gesellschaft dem entgegensetzen oder wie sogar profitieren oder das sogenannte Gute als vielleicht sogar zwangsläufiges Gegenbild generieren? Prof. Dr. Wolfgang Palaver aus Innsbruck  und Prof. Dr. Harald Bluhm aus Halle erörterten dies mit dem Verfasser - klug moderiert von Dr.Stephan Steiner am 19. Januar diesen Jahres in der

 

Katholischen Akademie in Berlin 

Hannoversche Strasse 5 

10115 Berlin,

die auch für Protestanten und harmlose bunte Hunde höchst erkenntnisreiche Abende bietet.

 

Darauf lese ich doch gleich des Strickers "Pfaffe Amis"   und frage mich, wo der in seiner zielgerichteten und wiederholten Vorgehensweise nun einzuordnen wäre. Ein Eulenspiegel? Ein Berufsbetrüger? Ein arger Schalk oder ein schlauer Schelm? Die Erzählung als Spiegel der Gesellschaft? Ist er denn vielleicht sogar gottgefällig? Durch Schlauheit oder weil er freigebig ist und gastfreundlich teilt? Die Literaturwissenschaft konnte es offensichtlich bisher nicht eindeutig beantworten - ich natürlich auch nicht - und vielleicht ist die eindeutige Interpretation ja auch gar nicht gewollt . Und man kann ja auch zum "Herschel Ostropoler" oder zu den Abenteuern des Nasreddin Hodscha oder zum schwedischen "Till", dem Bellman mit entsprechenden Erlebnissen grifen, vielleicht findet sich bei denen ja eine Antwort. Denken und Umdenken oder umwerten soll ja nicht wirklich schaden, nicht wahr, Herr Watzlawick.?!

 

Als puer robustus der Buehnenlandschaft scheint auf Herrn Neuenfels doch wieder Verlass - und da er, so mutet es, an, zumindest die religionsgebundene Propheterie als eine sehr heuchlerische, oder neutraler ausgedrueckt, befangene sieht, wird der Johanaan in der neuesten Salome-Inszenierung der Staatsoper in eine Art phallischen Salzstreuer oder Lippenstift gesteckt - derart gefangen betet die verzueckte Salome die Kapsel umarmend an, halbmondgeschmueckt gleich der keuschen Diana. Sähe das Ganze nicht so technisch aus, erinnerte das doch an den liebenswerten Mondmann von Tomi Ungerer, der von den Vergnügungen dieser Welt ausgeschlossen dankbar für die Forschungen des Dr.van der Dunkel zurück auf den heimischen Himmelskörper gesendet wird.

 

Um auf den Herrn Thomae zurückzukommen: Brauchen wir nicht gerade jetzt diese Art von künstlerischen Provokationen? Sicher, der eine oder andere wars leid, die expansiven Explorationen und allzu häufigen Provokationen auf den Bühnen mitzuverfolgen, man hat sie vielleicht ob der Ballung schon gar nicht mehr als brisant gesehen ... Aber sind wir doch froh, dass die  extravagante Dame Kunstfreiheit insoweit auch mit der durchaus sachlicheren Justitia noch gut harmoniert ...

 

 

Aber dann stante pede los, um die

 

Gier nach neuen Bildern 

befriedigen, diesmal nicht in den einschlägigen Magazinen , die man so beim Barbier oder anderen Wartezimmern liest, sondern im

 

Deutschen Historischen Museum 

 

kurzgesagt DHM

Unter den Linden 2 

(bis zum 8.April 2018, täglich von 8 - 18- Uhr)

 

den Freund graphischer Sensationen wird erfreuen, was er hier erblickt, sieht man doch, daß nicht wir die besonders abhängige sensationslüstige medienfollower-Generation sind, nein, das gabs schon immer - also, liebe Eltern, die ihr Eure Kinder so besonnen erzieht mit den besten Vorbildern und bedachten Sorgen und Bedenken ... der Weg lohnt sich, auch mit dem Nachwuchs - das sagt Euch der Satiriker aus der Kaiserzeit ...

 

 

 

Berlin ist eine schöne Stadt, deren Bewohner es im allgemeinen zu schätzen wissen, daß man im öffentlichen Leben nicht allzu strengen Kleiderordnungen unterliegt. Ob im Rollkragenpullover oder als bunter Hund oder gar als die merkwürdigste Gestalt seit Verschwinden der Gnomen oder des Herrn Grabbe, wie mein Freund Eulenberg das ausdrücken würde - jeder hat hier seinen Platz. Ob Berlin die Stadt des wahren Glamours ist, außerhalb der Berlinale wagen manche zu bezweifeln - ich aber nicht, solange es noch Udo Walz und besonders auch das wunderbare Lippenstiftmuseum von René Koch gibt.

 

Aber was heißt hier Glamour - natürlich haben in der verspielt - glanzvoll eingerichteten Altbau-Etage, die die eindrucksvolle Sammlung dieses Visagisten und Freundes vieler Künstler und Schauspieler beherbergt, diese ihre Wertschätzung durch Fotos und natürlich Lippenstiftabdrücke bezeugt. Das ist beeindruckend, vor allem auch zu sehen, wen dieser so lebendige Herr Koch alles so im Laufe seines Lebens so begleitete - man kann hier sogar Teile der Garderobe von Hildegard Knef oder auch Angelika Milster bewundern und wird nebenher in die Kunde der Schminktechniken und Materialien eingeführt - um sich anschließend auch gerne selbst einmal vor den Spiegel setzen. 

 

Aber das ist noch längst nicht alles - anhand der Sammlung und der überaus kundigen Erläuterungen des René Koch entsteht eine wahre Sozialgeschichte des Schminkens, er erläutert Zusammenhänge und zeigt historische Besonderheiten, die teilweise in geradezu verstörender Weise beleuchten, was das einfache Auflegen von Puder oder Lippenstift kommunizieren kann und welche teils sogar lebensrettende Bedeutung aus heutiger Sicht dem scheinbar so alltäglichen Assecoire aus dem Drogeriemarkt oder auch gehobenen Parfümerie zukommt. Nun möchte ich an dieser Stelle natürlich nicht zu viel berichten, das soll Herr Koch bei seinem Rundgang lieber selber wahrnehmen  und Ihnen dabei erzählen, was zum Beispiel Lippenfarbe mit Patronenhülsen zu tun haben kann oder was die kluge Herta Müller über deren Einsatz beizutragen hat.

 

Diese Vielfalt geniessen Sie demnach lieber selbst und lassen sich dabei von der historischen Vielfalt der Sammlung beeindrucken, bei einem Glas der überaus verführerischen rosaroten Prosecco-Création des Meisters ....

 

Lippenstiftmuseum

Helmstedter Str. 16

10717 Berlin

zwischen U-Bahnhof Berliner Str. und Bayerischer Platz

 

telefonische Anmeldung von Mittwoch bis Freitag von 11 - 19 Uhr

unter 030-854 28 29

 

e-mail: info@lippenstiftmuseum.de

 

www.lippenstiftmuseum.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hier finden Sie mich

barbaragauger@yahoo.com
 

Kontakt

 

barbaragauger@yahoo.com

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Meine Homepage