Barbara Gauger
Barbara Gauger

"Kommt Freunde hebt die Glaeser...."  

 

 

Schnurrdiburr oder die Krainer Bienen

 

... "nun, jetzt wollen wir mal das Zügle für die Heimfahrt nutzen, sonst gilt es noch in Laibach zu übernachten. Passen Sie auf beim Einsteigen, wertes Fräulein und ... schon sassen die beiden im Abteil. 

"Hier, Fraulein Schlagobers, oder darf ich Sie Sacherine nennen, erreichen wir schon Klepsau, also das nächste Mal, da könnten wir eine Wanderung wagen, oder wir bitten den Hucko uns zu chauffieren, der holt auch immer die adligen Herrschaften am Bahnhofe ab mit seinem Benz. Und dann, dann zeige ich Ihnen Stuppach. Die trauliche Kapelle birgt wahre Schätze, die kostbare Madonna vom Grünewald, die sollten sie einfach mal sehen, es schafft ja nicht jeder in die Reichslande, zum Isenheimer Altar, aber ein  bißchen Deutsche Meister solltens schon sein, auch für die charmante Tochter Wiens. "

"Sehen Sie jetzt diesen Altar auch schon wieder für so ein Symbol nationaler teutscher Erhabenheit oder urwüchsig germanischen Kunstschaffens? Reicht es denn nicht, das ganze Elsaß mit diesen doch etwas schwerfälligen Kirchen im Kaiserstil vollzupflastern?"  "Aber nein..." "aber ja doch, sehen Sie, wir haben doch hier gerade auch den Jüdischen Friedhof gesehen, hier, in... , nicht Dörzbach, also in Hohebach, nicht? Und jetzt will ich Ihnen mal was sagen. Ich finde ja meine Herren Vettern nachgerade skurril und der Hermann Harry ist ja bei all seiner Exzentrizität auch recht rückwärtsgewandt, so von wegen die guten alten Zeiten, sie kommen nicht wieder.... . und auch der Tomi Bember, mein anderer Cousin aus Strassburg, der wunderschaurigschönen Stadt,  der hats sogar mit den deutschen Volksliedern, wie war das noch, darinnen ist gebliehieben so mannicher Soldat..."

Aber der Tomi und der Harry, sie sehen halt dennoch das Übergreifende, wie soll ich sagen, die gewachsene Kultur, die sich an jedem Punkte des Kosmos zu Höchstleistungen aufschwingen kann. Erzählen Sie doch mal dem Tomi vom Teutonen oder dem Franzoß mit savoir vivre, die sich wohl ums Elsaß und Lothringen die behelmten Köpfe einhauen. Er zuckt halt mit den Schultern und sagt: 'Na laß Sie doch, wir orientieren uns hier ohnehin an den Juden, hören ihre Worte, essen ihre Matzen, kennen ihre Bräuche und Lehren, solln die Nationen sich doch zum Regieren aufschwingen...  das ist doch nicht ausgereift, in keiner Weise.' Schon der eiserne Kanzler hat doch die Gefahr der mangelnden Akzeptanz gesehen, ums mal auf gut deutsch auszudrücken. Und was der Harry erst erzählt.... ." "Der bunte Hund aus Düsseldorf, den Sie schon erwähnten?" erkundigte sich Hoesle-Bodenschlag. "Ja der, genau der.Wissen Sie eigentlich, daß er eine  im Stile Edgar Allan Poes geschriebenen Schauergeschichten an den Bodensee verlegt hat, auf ihren süddeutsch-kloesterlichen Kräuter- und Gemüsegarten, die Reichenau?" "Der Fremde?" "Ja, Der Fremde, woher kennen Sie denn das, das passt doch so gar nicht zu ihrer Gesittete-Leute-Attitüde. "Doch, gelesen habe ich es wohl, natürlich aus rein lokal bedingter Anteilnahme. Mein Freund betreibt auf dieser schönen Halbinsel eine Schlosserei, der hats mir mal zu Lesen gegeben. Da sammelt sich so allerhand an vom wenig zahlungskräftigen Künstlervölkchen, da richtest Du mal eine Zarge oder einen Schlüssel und schon bist Du Besitzer eines Gemäldes oder eines Manuskripts. Wer weiß, was es den Enkeln mal einbringt. Nun, also so ganz übel schreibt er ja nicht, ihr Harry, aber die Ideen scheinen schon recht ..." "ausgefallen" ergänzte Cousinchen "Nun, Sie müssen wissen, er hats halt mit dem Jugendstile, mit Oscar Wilde, die Hedwig Lachmann hat ihn doch übersetzt und das ist ja sogar bis zu unserem Opern-Strauss durchgedrungen mit seiner 'Salome'. Nein, aber was ich nun erzählen wollte: Er schwärmt doch immer so von dem Max Benirschke seinen graphischen Arbeiten. Na und das erzählt er doch, wie er es als so fortschrittlich, ausgerechnet von den Porzern fand, daß sie sich eine Kirche von dem Manne gegönnt haben, wie er meinte, so als Gegengewicht zum Kölner Dom. Schön gestaltet, der Turm ein bißchen nachempfunden dem Hochzeitsturm auf der Mathildenhöhe, wie sagte er, so neu und mutig, ganz im Sinne auch eines Osthaus, dieses trefflichen Förderer der Künste. Auf internationaler Augenhöhe via Darmstadt, . . . da wirkte doch auch der überaus vielseitige Däne Hans Christiansen ... die graphische Perfektion, die Vasen mit dem tropfenden Regen auf der Wasseroberfläche in einfachster Reduzierung der Form und sein Haus erst, sein Haus in Rosen ... ein Gedicht, sage ich Ihnen. Na ja, da freut sich also der Harry, das von seinem doch schon etwas übernationengebunderem Kunstbegriffe etwas angekommen sei.... und da stehen die Leute bei der Einweihung und murmeln,: 'Na, ob das Kirchenschiff nicht zu wenig erhaben wirkt, mit den Säulen', 'So undeutsch. Keine wahre Größe' ''Nicht kaiserlich genug'. Dabei gehts doch um unsern lieben Herregott oder wie sehen Sie das?". Der Rest ist offenbar, Kaiserrede und Gesangseinlage... 'Der Rhein, der Rhein, der deutsche Rhein, ...sie sollen ihn nicht haaaaben....!' Sie sollten wirklich mal die 'Herbsttage am Rhein' vom Harry lesen, da fällt Ihnen erst auf, wie übertrieben das ist, schon fast die Feinheit jeden Humors überstrapazierend. und..." . "Nun", so konzedierte der Mann der Pädagogik; "auf ein heranwachsendes weibliches Gemüt mag das schon recht gewaltig wirken, aber...""Für den männlichen Hunnen passt schon, oder was? " empörte sich Sacherina.

"Na, und soo einfach ists halt leider auch nicht. " 

 

...."Hier, eine Biene, Fräulein, passen Sie auf, sie umsummt Sie schon ein Weilchen aus der Ferne". 

"Na, Hauptsache nicht totschlagen. Aber es ist ja nur eine. Die berühmten Krainer Bienen, die neigen ja so zum Schwaermen, aber sie sind halt auch sehr resistent, vielleicht resistenter als ihr neckischer Beethovenscher Gartenammer, wie hieß er gleich,  Corolan, von dem Sie sprachen , als wir uns kennenlernten.

Aber Slowenien und die Bienen, das ist schon eine ganz eigene Geschichte."."Nun, die Krainer Bienen, von denen habe ich schon sagen hören", memorierte der Praeceptor Hoesle-Bodenschlag. "ja, hat nicht bereits die 'Bienenkönigin', die Maria Theresia schon um 1769 oder 70 ihre Bienenschulen in Slowenien angelegt ? Sie vertraute Sie doch dem versierten Kupferstecher Anton Jansa an. Ein wahrer Kenner und feiner Beobachter des summenden Völkchens. Genau er untersuchte doch die Schwarmbildung der Bienen, die Befruchtung der Königin durch die Drohnen,Vielmännerei im Fluge, so sind sie halt, die lieben Tierchen... Na das wär ja auch was für den Wilhelm Busch, aber das hat er ausgelassen zugunsten von Krokus und Aurikelchen, dem traulichen Blumenpaare. Wie gesittet er doch eigentlich noch ist.  Aber beim Anton Jansa, da hätte der Imker Dralle mal nachlesen können, über die Überdrohnung der Bienenvölker. und was man tut, um das wieder auszugleichen.". "Eigentlich", so meinte Sacherine, "erinnern mich die Zeichnungen im Schnurrdiburr schon ein wenig an die witzigen Krainer Bienenstockbrettchen, die den Stöcken vorgelegt sind, Die Geschichte mit dem gestochenen Schwein, das der Dralle so teuer verschachert, die könnte vor so einem Bienenhaus als Motiv wohl abgebildet sein, Oder die Skizze, wo er einschläft, der Imkersmann, als er auf die Bienchen wartet..." 

"Nun, Fräulein Sacherine, was mich als Amateur der praktischen Kleingärtnerei und Insektenkunde natürlich höchst beeindrduckt, das ist die Konstruktion des Krainischen Bienenstockes, die Technik der einfachstmöglichen Erweiterung, ja, der Herr Jansa, ein findiger Kopf war das, seine Lehrern von der Bienenzucht, die werden sich wohl noch in ganz Europa verbreiten.Na, und das schöne slowenische Sprichwort, ich zitiere es ja zu gerne bei meinen Schülerlein: 'Schaut euch die Bienen an und tut es Ihnen nach'". 

 

"Nun, als Mann der Bildung kennen Sie ja sicher auch die Krainer Biene, das Blätttchen des Miha Kastelic und des Jakob Zupan", Krajnska cbelica" auf gut slowenisch, sogar die literarischen Dinge identifizieren sie mit ihrem Fleiß. 

Und was kriegen Sie dafür aus deutschen Landen vorgehalten... Dienstbotensprache, so ein Blödsinn aber auch - auf der anderen Seite: da hat der Herr Preseren schon recht, seid fleißig, nährt Eure Sprachfähigkeit an der deutschen Amme, wenn man den Titelblättern des Simplicissimus glauben darf, so gibt sie ja reichlich Milch, die alte Dame Germania - muss ja nicht immer für die Waffen sein ...

Nun, das hat ja der Herr Preseren alles sehr zutreffend erkannt, daß man die Sprache so formen sollte,daß sie dem Anspruch der Gymnasien und Universitäten, an denen sie eingesetzt werden soll, entsprechen muß. Schade aber um  seinen Ruhm als Dichter - überlegen Sie mal, zu welchem Ansehen er gekommen wäre, 

wenn er seine dichterische Leistung vorwiegend im Deutschen erbracht hätte, mit Themen, die im allgemeinen en vogue waren... . Ein Sprachgenie, ein zweiter Heine , vielleicht Hoffmann, so des  juristischen wegen, oder auch um es dichterfürstenhaft zu wenden natürlich ein Goethe oder Opitz. Nun, dafür hat er ja seinem eigenen Volke die besten Dienste erwiesen, um die Sprache gekämpft hat er ja nach Kräften, ihre unglaubliche Klangfähigkeit betont und zu märchemhafter impressiver Schönheit gebracht.

Dumm  ist nur, das wir, die des Slowenischen nicht mächtig sind, auf die Übersetzungskünste eines Herrn Edward Samhaber verwiesen werden." "Ei", so wendete der Schulmann ein "so arg ist es doch gar nicht um diese Dichtung bestellt, also ich kenne doch gerade das Sonett, darin er bemerkt, Cupido und seiner schönen Alten nicht länger am Narrenseile springen zu wollen, das hat doch der Herr Samhaber recht keck übertragen, geradezu mit Heinescher Ironie, wo sie ihn doch gerade erwähnten."

"Ja", zögerte Sacherine, "aber ganz ehrlich gesagt, ich steig da nicht mehr durch, ob das mit den Übersetzungen gut gemeint war und den Slowenen endlich zur berechtigten Anerkennung verhelfen sollte, oder ob da in Form der Übersetzung mangels Kenntnis oder zwecks politikhafter Meinungsbefeuerung schon wieder eine Art von zweiter Zensur ausgeübt wurde - wirklich, die deutschen nationalen Ergüsse, sie löcken so ins Polarisieren - man freut sich ja schon fast über jede harmlose Begönnerung der Slowenen aus übergeordnet wohlmeinender Kunst- und Kulturwarte von Teuts Söhnen.

Ich jedenfalls bin froh, daß die so verspielte und freigeistige Ilna Wunderwald und der Hermann Harry dem Victor von Scheffel nicht die ganze Terrain von Capri überließen, wer weiß, vielleicht zieht sies auch noch mal 

mal in die Nähe von Radolfzell oder der Höri ... . 

"Aber bestes Fräulein, wenn Sie sich da ein ausnehmend qualifiziertes Bild von der Lage um die Übersetzungen des Herrn Samhaber verschaffen wollen, in ihren Wendungen ausgedrückt, dem Herrn Samhaber mal auf den Zahn fühlen wollen, in welches Prokrustesbett er den Preseren beim Ritt auf seinem hinkenden lungenleidenden Musenross wirklich zwängte, oder mit Wilhelm Busch gesprochen, dem alten Stecken Pegasus, wenn sie dies bevorzugen, Gnaedigste, so bemühen sie doch die wegweisende Publikation mit dem sprechenden Titel ..."

 

Interkulturelle Asymmetrie

 

Edward Samhabers Übertragung des slowenischen Nationalautors France Preseren

mit einer Edition der "Presirenklänge" (1880) von Edward Samhaber

Böhlau Verlag, Wien 1999

 

Hg; Ralf Georg Bogner, Andreas Brandtner

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"Seit wann liegt denn Laibach an der Jagsttalbahn?"

 

erheiterte sich die Sacherine - der immer wieder ihre Möckmühler Wege kreuzende Schulmeister Hoesle-Bodenschlag hatte ihr einen Ausflug mit dem "Zügle" Richtung Dörzbach unbedingt nahegelegt:

"Eine herrliche kleine Reise, Fräulein Schlagobers, und so kulturhaft, sie werden sich wundern, wie Sie entlang dem Bähnle in die Tiefen unserer Geschichte eintauchen, steigen Sie aus dem Wagen und erschauen Sie das Laibacher Schloß".

"Na, nun aber wirklich, Meister Hosenkloepfle - jetzt erzählen Sie mir doch nicht ernsthaft, daß die Möckmühler eine Schmalspurbahn ins Slowenische angelegt haben. Da gibts als kleine Strecke die hübsche in  Richtung Triest. kennen Sie übrigens Preserens Ballade "Die Eisenbahn ... daß diese technischen Neuerungen aber auch immer gleich in die Literatur einfließen ..." Der Schulmann:" "Nun, sie eröffnen halt Möglichkeiten, auch für gedankliche Reisen, ... Traumreisen und Grenzermessungen...." Sacherine :"Na, sie werden ja ganz poetisch. Das traut man so einem Dorfschullehrer gar nicht zu...". "Hemm hemm", hüstelte der, "Möckmühl ist eine Stadt, die Stadtrechte wurden uns schon schon vor über 1000 Jahren verliehen. durch... " Ja, ja, Herr Magister, aber um auf Laibach oder Ljubljana zurückzukommen, was heißt hier überhaupt Schloß - Die Burg, die das liebliche Laibach krönt, ist ungefähr 800 Jahre alt, dem Erdbeben von 1895 hat sie standgehalten,dem Napoleon nur zum Teil, der Turm der Stadtpfeifer wurde 1815 abgerissen - na, ein Hoch auf den neuen, der soll mal schön lange halten. Aber der Blick auf die Stadt, die glitzernden Wellen der Ljubljanica, das von oben so winzige Denkmal von Preseren, die Kirchen, besonders Trnovo, wo er an Ostern seine Julija zum ersten Male erblickt haben will, die von Plecnik so weise angelegten weißen Brücken, die Heranführung der Stadtpromenaden an die Flußufer... ein Gedicht , ... aber keins, daß mit einer Kleinbahn zu erreichen ist. Wie heißt ihre Lok? Helene? Ich möchte mal wissen, wo die so hindampft ... . Was transportiert Ihre Bahn denn überhaupt? Schulkinder oder Zuckerrüben?". Hoesle-Bodenschlag lächelte voll gottgegebener Milde die Cousine, gut möckmühlerisch ausgedrückt: das Bäsle an und legte den Kopf betulichst nickend zur Seite: "Werteste, um es in einer der Frische ihrer Jugend angemessenen Wendung auszudrücken: Beides natürlich." ...

und schon bald darauf fand sich die Cousine in einem Wagen der herzhaft schnaubenden Schmalspurbahn.

"Hier nun beginnt die Fahrt" unterrichtete sie der Schulmeister, "direkt am Bahnhofe beginnt also 'Hohenlohes schönster Zug'..., übrigens die längste Schmalspurbahn in deutschen Landen, ... also hier über die Seckach, .... beachten Sie auch das technische Meisterwerk der Jagstbrücke, Ernst Ludwig Kirchner hat eine solche Brücken auf seinen Bildern gemalt, aber in städtisch, mit Leuten drauf, ......  hier sehen Sie den Kirchturm - auch in Möckmühl haben wir so unsere kleinen Katastrophen, das alte Gotteshaus ist doch wenige Jahre nach dem Erdbeben in Ljubljana abgebrannt, nein, das war eine Sache, der Gastwirt Kaiserle erzählte, wie ers aus dem Fenster gesehen ... eine Feuersbrunst, wie man sie von Gemälden des Schinkel oder den auf Leinwand gebrachten Vulkanausbrüchen des Pierre Jaques Volaire kennt.... " "Na," unterbrach in Cousinchen, "wir Wiener haltens da mit dem Michael Wutky, aber sie sind doch alle auf Effekte aus, immer schön im Dunkeln dargestellt, sonst fehlt doch das Dramaturgische.... ". "Ja, da mögen Sie recht haben", konzedierte der Schulmeister, "und 'a Gschmäckle' ist auch immer dabei. Was meinen Sie, was in den Gaststuben  Krone, im Bären oder im Württemberger Hofe so bramabarsiert wird... ein heißer Abriß, wie man so sagt,  'die Leut hebbet doch schtändig klogt, wie kalts in derre Kirch isch, und jetzt solltens sie noch mal so richtig warm habbe', damit die Pläne des Herrn Dolmetsch uns mal ein modischeres Gotteshaus bescherten, Dabeisein ist doch alles, und überhaupt: Die Stadtbildpflege... . Nun, die Spenden haben ja gereicht, ja bitte, sie lachen, aber die Gemeinden können doch die hohen Kosten für die Gebäudeversicherungen nicht immer aufbringen... ".

 

Also weiter, hier, der Burgberg, die Probstei, Ruchsen, und Widdern,' da lernt der Teufel s' Zittern', Jagsthausen, Die Götzenburg und das Rote Schloß, Berlichingen, und natürlich Schöntal, das wunderbare Kloster, sehen Sie den Belvedere, dort, da oben, auf dem Hügelkamm,  nein, ....Vorsicht!... nicht aus dem Fenster hängen, sie bekommen noch den Ruß in die allerliebsten Äuglein, oder gar einen Ast, die werden doch längs der Strecke nicht immer gekappt..." Das Kloster, es hat ein Treppenhaus von Balthasar Neumann und ein Deckengemälde von Tiepolo. Der Ritter mit der eisernen Hand ist dort zur letzten Ruhe gebettet. Die Kinder sagen immer spaßhaft, der Goetz mit dem Kochhandschuh, sehen sie mal die Halbplastik an.... Mit meinen Schülern studiere ich die auf dem Gemäuer angebrachten Knittelverse zu gerne.. man rühmt sich, der hiesige Abt von Knittel habe sie erdacht. " .."Ist das auch so ein Gespenst aus der Gerüchteküche irgendeines 'Ochsen' oder 'Adler', oder wie ihre Wirtschaften iher  so heißen?". "Oh, der Adler in Laibach, da kehren wir ein, die haben ihr Schankrecht schon seit 1885, mit Obstbau und Schnapsbrennerei, sie werden sich fast wie in Slowenien fühlen, oder in Wien, nun gut, Marillen haben sie glaube ich nicht." "Ach, in Slowenien.das ist schon gemütlich, da gehen Sie ein bißchen wandern und auf jedem Weinberg sind freundliche Leute und Kapellen, eigentlich ist es hier im Süden Deutschlands nicht ganz unähnlich." "Nun", so versicherte der Schulmeister", in Dörzbach, da gibts gleich viel zu sehen, die Marktrechte, die haben sie schon von Rudolf dem Zweiten verliehen bekommen. Wußten Sie eigentlich, daß das Wohnhaus von Johannes Kepler in Leonberg zu finden ist und daß er auch in Weil der Stadt weilte, sogar geboren ward? Man verbindet ihn doch eigentlich immer mit dem sonderlichen Kaiser in Prag und seinen Wunderkammern". "Also die Wunderkammern ... und erst seine Kunstsammlungen..." fiel Sacherine ihm ins Wort", die sind doch was ganz  Besonderes. Die niederländischen Meister konnten froh sein, daß sie da alle in Lohn und Brot gesetzt wurden von ihm... und welche....Bartholomäus Spranger, Joseph Heintz, Goltzius, Hans von Aachen, mit diesen Emblemsprüchen, da kann einem ja sogar das Lateinische Spaß machen... Sine Bacchus et Ceres Amor friget", das ist doch ein wirklich sinniges Motto.. und erst "Hermathena das Deckengemälde", "Also Fräulein, nicht doch, also erst einmal heißt das Sine Cerere et Bacchi friget Venus, aber, ...  also Athene, die Göttin der Weisheit, mit entblößten Brüsten, also nein, wirklich, das taugt nicht für Sie, Verehrte...., wir sind doch hier nicht auf dem Monte Verità!" "Der gründete sich übrigens in Slowenien, 1899 in des Sonnendoktors Arnold Rikli Naturheilanstalt in Bled,oder Veldes, Herr Oberlehrer,  Und ganz ehrlich, so sonderlich waren doch die Ideen des so ach so verschrobenen Kaiser Rudolf gar nicht, wie will man denn lernen:  sine amore nihil, ohne Herz, ohne Sinne, das geht doch hier rein und da raus. Was solls, Sie sind halt Schulmeister, Genußmeister wohl nur in den heimischen Gaststuben, aber mit Gesundheitspfeife, nicht wahr? Selbstgetrocknete Schafsgarbe mit Baldrian aus Möckmühler Anbau, Steißtrommler Wutz beim Grassammeln in Möckmühler Auen.... !" "Sie übertreiben, ich darf doch ....". " Na, denken Sie doch an ihren verehrten Mörike, Herr Hoesle-Fingerstreich, oder so ähnlich. Glauben Sie, daß der das Dichten in der Schule gelernt hat? Vielleicht die Versmaße., aber den Rest, die Geister am Mummelsee, Die traurige Krönung,"Es war ein König Milesint , von dem will ich euch sagen...Die schöne Lau, das Stuttgarter Hutzelmännlein  und diese vertauschten Schuhe das sind die Landschaften der Seele, mein Gutester. Schön, das Laibacher Schloß, das gefällt mir, auch wenn die Doppelung des Städtenamens irritiert. Aber Sie werden einräumen, daß das Laibach hier im Verhältnis zu Ljubljana nicht gerade durch Größe besticht. "

- Sie sehen, der Zielort nächst Doerzbach war unter hitzigen Kulturdiskussionen längst erreicht -

"Aber wirklich Herr Lehrer, kennen Sie Hugo Wolf?" "Aber selbstverständlich, er vertonte ungeheuerliche Mengen an Dichtung in deutscher Sprache, auch Goethe.  Eigenartig, nicht so fließend, wie es dem Robert Schumann mit Heines Dichterliebe gelang. - Auch nicht so leicht und so ergreifend, aber mit derselben bodenlosen Traurigkeit, wie sie der liebe Schubert den Versen Wilhelm Müllers angedeihen ließ, aber doch in herausragender Weise auf die Geltung des Wortes bezogen, die musikalische Herausarbeitung des Textes der Dichtung, des gesungenen Verses... wirklich unvergleichlich!". "Ach, " lachte Sacherine", manchmal sind wir uns doch einiger, als wir das so glauben - ich meine ja immer, daß es unter den Compositeuren solche gibt, die die Verbindung der Wortbetonung mit gesungenen, also der durch den Takt und die melodischen Modulationen vorgegebenen,  besonders meisterhaft zu verbinden wissen -  das ist das eine - ich nenne da gerne Mozart, Bellman und Philidor. Aber auch beim Hugo Wolf gibt es doch dies Besondere, man denkt, er stelle die Herausarbeitung der Dichtung über seinen Anspruch, als Meister der Musikalität hervorzutreten und ist genau durch diese eigene Zurücknahme ein umso größerer im liedhaften Metier. Ein wahrer Dienst an der Poesie... und so für den Lehrer betrachtet: haben Sie jemals den Wortlaut eines Gedichtes vergessen, daß Ihnen gesungen mit Wolfs Vertonungen zuu Gehör kam ... ich nicht, vor allem nicht bei ihrem Mörike, erst durch Wolf begriff ich so recht seinen geheimen Hintersinn, die Abgründigkeit des anscheinend Biedermeierlichen, hinter der Idylle des 'Turmhahn', ... ein Stündlein wohl vor Tag... - kein Wunder, daß Turgenjew Wert auf seine Bekanntschaft legte. Aber zurück zu Hugo Wolf und meinem Leib- und Magenthema:,...""Jetzt sagen Sie aber nicht, daß der Hugo Wolf aus... " "Slowenien stammte!" triumphierte Cousinchen " Doch, aus Windischgrätz und eigentlich hieß er Vouk, aber wie sollte er denn in Wien mit slowenischem Namen berufliche Anerkennung in der Musikwelt finden? Seine Mutter ließ nach seinem so frühen Ableben an dem Wohnhause in Slovenj Gradec zur Erinnerung ein so schön bemaltes Fenster anbringen und Sie kennen ja meine gepflegte Parole ..."

 

Beide:

"Ist es nicht die Musikalität, die der slowenischen Sprache ohnehin innewohnt, die die Slowenen immer wieder zu so musikalischen Höchstleistungen bringt?"

Sacherine:

"Und die Dichtung von Preseren mit musikalischem Fluß daherkommen läßt."

Beide:

"So daß wir des Gottfried August Bürgers schauerliche Leonore nur in der Übertragung des France Preseren goutieren? Doppelt Wehe dem selbsternannten Dschingis Khan der Ballade..." 

 

Und ich sitze hier seit Wochen in Berlin mit Zdravko Perger und die beiden hören ihn nicht singen. Schuld selbsteigne, warum reden die auch so viel

 

Milos Okuka, Klaus Detlev Olof (Hg.)

Traumreisen und Grenzermessungen 

Reisende aus fünf Jahrhunderten über Slowenien

Drava-Verlag, Klagenfurt/Celovec 1995

 

 

"Vom Eise befreit ..."

 

dagegen waren hier am Gendarmenmarkte noch nicht alle Strassen und Droschken. Ich saß mittlerweile beim "Lutter § Wegener" und lauschte den Philosophien der Tischnachbarn während ich die schon schwächelnden Perlen meines Schaumweines im Aufsteigen beobachtete. Die Conversation der gerade den Logenplätzen im Opernhause entstiegenen Herrschaften kreiste um Themen äußerster Wichtigkeit. So etwa um die Tatsache. dass die gewiß nicht billigen Satinschuhe der Frau Geheimrat Schrippenschmier von der Wense nicht exaktemang zur Tönung des blaßrosa Pompadour accomodierten. "Na, das hätte sie sich nicht erlauben sollen, und dann noch bei die Premiere", echauffierte sich ein Fräulein Geraldine Blahut und streifte dem sie ausführenden Herrn demonstrativ beflissen ein Stäubchen vom Revers. "Ach kucke mal, der Herr sitzt da so alleine, wolln wer dem nicht ein Gläschen spendiern. So romanisch sieht er aus, mit fernem, traumverlorenen Blicke, echt südländischer chique, hein, man erkennt den wahren Italiener doch untrüglich...sieh, den kühnen Schlapphut, ich sage nur: Mailand, ein wirklicher milanese, der wär doch was für eine kleine folie d 'amour ", so äußerte anerkennend die Freundin und zog betont gelassen an der Zigarettenspitze - mit dem dazugehörigen geübt-legeren Lidschlag. Gerade wollte ich in aller Bescheidenheit dankend abwinken, da saß ganz plötzlich, wie aus dem Nichts, ein imposanter Herr an meiner Seite. "Rdece vino? ...und "Na Zdravje! Wo Slowenen sich treffen, da gibts immer einen  vino, nicht junger Mann?" -

Na, das traf sich ja ganz famos, sinnierte ich nicht schon wieder heimlich, ob es denn für Cousinchen nicht doch eine slowenische Sensation nächst der Havel gäbe? "Sie sind.... aus ...Kroatien , Hrvatska? Oder..? . ".  kaum wagte ich es zu denken ...  "Slovenija, Ljubljana, der Lieblichen, Laibach in ihrer so klingenden Sprache....!". "Aber , hm, ein Mann der Musik, vielleicht gar ein Meister der Stimmkunst? " Nun, raten Sie, mal, Hübscher." Also der Brustkorbe nach, das Volumen, die stolze Haltung,,,, sicher ... ein Tenor, etwa ein Heldentenor? "HmmH". "Ja, der locker drapierte Seidenschal, nein,es gab keine Zweifel... ein Bariton, das paßte, das war gemütlicher, das klang nach einem commoden Abend. --- "La donna est mobile...!!!!"  --- Nun, das war ja mal volltönend. Fast hätte ich den berühmten Boehmeschen"Schrack" bekommen, aber nichts da. "Ja, Rossini, Donizetti, Puccini, Verdi , Verdi rauf und runter, den singen wir doch gerne!" "Ach, bemühte ich mich , ganz informiert zu erscheinen.... das ist ja mal eine Sache, woll, der Auszug der Töchter Sloweniens nach Ägypten, so sagt man. Sind sie nicht als tüchtige Kindermädchen von  den deutschen Ingenieuren an den Nil verschleppt worden, als diese in Aidens Gefilden Staudämme und Kanäle konstruierten? - Na, da muß es doch nun zuhauf der gut ausgebildeten Nachkommen geben. Aber, hören Sie, ich habe eine gute Freundin, Ilna Wunderwald, sie schmückte kürzlich die bei Bote und Bock in Berlin erschienene Edition der "Toten Augen" von dem Eugen d'Albert es entstand aus einer Laune, Hanns Heinz Ewers verfasste es, nach einer Idee von Marc Henry. Da denkt man immer, die sind Kabarettisten,... ". " Na, so ganz kabarettistisch war das wohl nicht, wie der Henry den kritschen Karl Kraus vermöbelt hat. da hat der "Joli Tambour" aber mal von Herzen falsch geschlagen... , hätte ers mal bei der netten Liederbuchausgabe dieses Namens belassen, ha, ha. Seinen Richter hat er dann wohl gefunden, es gab ja wohl einen Prozess desdawegen .. . ", so erzählte mir der Slowene.Und weiter improvisierte er seine Gedanken..." Die Elf Scharfrichterdie Fledermaus, na gut, das ist  auch eine Oper, aber was macht eigentlich das Ueberbrettl? ". "Sagen sie," und es fuhr mir durch den Sinn" ist nicht morgen der Palmsonntag?". "Nein, heute schon", lachte der Slowene, "Schauen sie doch mal auf Ihre Uhr, falls Sie eine haben." . Ich: " Sagen Sie Herr ? ... "Perger", "haben Sie es eigentlich an der Adria nicht auch mit diesem fatalen südamerikanischen Palmbohrer zu tun, Payandisia archon? Da denkt man, daß da noch ein bißchen Reif aus der Frühlingsnacht auf den Palmblättern sich befinde, dabei ist es das ausgebohrte Mehl. Und wenn Du Pech hast? Verdorben, gestorben!.Jahrhundertealte Bestände werden da bedroht.... armes Mittelmeer. Gut, daß es die Dvoraks gibt, der Bostjan kümmert sich ja darum, ein wahrer Mann der scientia universalis; ach, wenn sie doch auf ihn hören wollten, er sagt, es sei ja behandelbar, wenn mans erkenne.--- Aber zurück zur Oper. Ja, die Toten Augen - nun, Sie machen so einen vergnüglichen Eindruck, ich weiß, es wird keine Oper für sie sein, die Toten Augen , aber immerhin sie spielt ja nun mal am Palmsonntag, das fällt mir nun einmal gerade ein.". "Ja " äußerte der Slowene mit wissendem Augenblitzen, "ein hervorragendes Thema, die 'Toten Augen' " Es erinnert mich doch an die "Wildente" des weisen Ibsen, es ist wahrlich nicht immer gut, die ganze Wahrheit zu kennen, aber da sind wir in katholischen Landen doch Gottlob nicht ganz so genau. "Was sicher kein Schade ist, diese aufklärerische eifernde Wahrheitsakribie, die man den Protestanten so zuschreibt, die hindert doch zuweilen den Schwung und den Fluss im Künstlerischen ganz gewaltig - nicht dass ich meine, sie sängen desdarum nicht richtig, korrigierte ich mich alsgleich... ." "Nein, keine Sorge, wir verstehen uns da schon, wobei ich meine, daß es sogar noch weiter geht. Sehen Sie, die blinde Schönheit, die bedauernswerte Heldin des Stückes, die macht sich eine Vorstellung von ihrem Manne, wie er dem Apollon an körperlicher Vollkommenheit geradezu gleichkommen müßte, und sie schließt das aus seinem fürsorglichen Wesen, mit dem er sie täglich umgibt. Sie hört ihn, sie kennt sein Handeln, vielleicht spürt sie geradezu seine schöne Seele, ich meine, daß das der Maurice Maeterlinck schon sehr zutreffend beschreibt, in seinen Stücken. Sie kennen doch "Les aveugles", "Die Blinden?" "Ja selbstverständlich", beeilte ich mich zu versichern, "auch beim 'Eindringlinge' 'L'intruse`ist das ja ganz offenbar, nur der blinde Großvater und das neugeborene Kind spüren den Makel in der Idylle, sie sehen halt mit dem untrüglichen Gespür dem Gefühle für Stimmungen. Kein äußerer Schein lenkt sie noch ab. Na, da hätte die gute Gattin des Hauptmanns ArcesiusMyrtocle,  mal drauf hören sollen, auf ihr Herz, aber kaum konnte sie sehen, hielt sie den Falschen für den Richtigen. Nur weil er so gut aussah. Und ihr armer Gatte sahs mit an. Schaurig, einfach schaurig. Eine Tragödie shakespeareschen Ausmasses. Un der Jesus selbst, der hatte es ihr ja gesagt. sie werde noch vor Sonnenunterfang die Erfüllung ihres Wunsches nach dem Augenlicht bitterlich bereuen. Indes, des Menschen Wille ist nun mal sein Himmelreich  Ja, ja, ich weiß, derzeit gilt allein der Maeterlinck als der moderne Shakespeare. Dafür müssen wiruns  in der anerkannten Kunststadt Düsseldorf alles anschauen, was der gute Meyer-Graefe gerade wieder einmal für den neusten Rembrandt hält, alle zwei Wochen, zur Zeit ist glaube ich grade mal der ... Hans von Marées..? .Wer sagte dies noch einmal... Man sieht nur mit dem Herzen gut? Eine alte Wahrheit, ja, ja. Die könnte man auf lehrreiche Bilderbögen fürs Kinderzimmer drucken. Mit kleinem Prinzen. Denken Sie doch nur an den Seher Teiresias.

Schade, daß das alles der Frau erst nach dem tödlichen Eifersuchtsausbruch ihres Gatten aufgefallen ist. Für manche Aufführungen war das starker Tobak, wurde abgemildert in einen Rivalenstreeit mit heilbaren Wunden, so wie bei Dornröschen und der bösen Fee. Nun, aber sie kehrt ja reumütig zum Inneren Auge zurück. Übrigens, die Eigenblendung, daß hat ihre Freundin Wunderwald ja sehr schön dargestellt. sehr dekorativ, wie die Schöne in wallendem Gewande mit ionischer Säule ins blindende Licht schaut; "die Straaahlen der Sonne erleuchten die Nacht ...,,was für eine Konversion der 'Zauberflöte' ins 'Innere Auge'.... Überlegen sie´s mal. Also ich, als Sänger, ich meine ja, daß das Dekorative oder Elegante, vielleicht schon décadencehafte, wie man es auch bezeichnen mag, der Kunst nicht unbedingt schadet. Soll es doch diesem Stücke ruhig anhaften, wie Puristen so sagen. Im Gesang, das kommts doch geradezu auf die Grazie an. . ". "Nun aber offenbaren Sie mir. Bester, wie aber kennen sie den diese Oper?" - so musste ich es fragen "Oh, Reaper, Bariton., das habe ich in Ljubljana gesungen, die Partitur hatte ich doch in den Händen, es muss ja nicht immer Ariadne auf Naxos, La Bohème, Eugen Onegin, Madame Butterfly oder Hoffmanns Erzählungen sein..." "Nein, sagen Sie, sie haben doch nicht etwas den den Schlemihl gesungen? ... Das Vorbild für den Studenten von Prag, übrigens, also Chamissos Erzählung, meine ich, ein guter Freund von Hoffmann.  Interessanter Film, aber bei Ihnen, das ist ja wie Mozart auf der Reise nach Prag, ach nein,viel prachtvoller.... ich sage nur "Amadeus...." "Na ,dann stoßen wir doch mal mit Heinescher Leichtigkeit und Humor drauf an - auch das ist ja wohl eine Kunst ..." "Na Zdravje", "Zum Wohle! und.... jetzt konnte die Sacherina ja schleunigst kommen, kommen, wenn der Zdravko Perger samt seiner ausdrucksvollen Stimme"V Berlinu "weilte....

 

Zdravko Perger, seit 1977 Mitglied des

 

Slowenischen Nationaltheater,

SNG

 

Opera in Balet Ljubljana

Zupanciceva Ulica 1

1000 Ljubljana

blagajna@opera.si

www.opera.si

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"... Frühling läßt sein blaues Band, wieder flattern durch die Lüfte ...."

 

 

fürs "Bäsle" Sacherine Schlagobers, wie wir untenstehend erfahren haben, zwar nicht im romantischen Cleversulzbach, wohl aber im ebenfalls unterländischen Möckmühl, nicht weniger idyllisch. 
Ein mir befreundeter Neffe des  dortigen Stadtpfarrers ließ mich, natürlich unter der Hand, wissen, daß der gute Hirte Mörike sich seinen dort gehüteten Gemeindeschäfchen eher in gesellschaftlichen, als im kirchlichen Leben gewidmet hätte. Dafür hat er uns ja auch die schönsten Zueignungen, Verse und Historien hinterlassen - auch das ist ein geistiger Dienst am Menschen. "Zumindest", so betonte es der gerade schon wieder Sacherines Pfade kreuzende Schulmeister, "lernen die braven Möckmühler Kinderlein auch hier, im traulichen Möckmühl, das schöne Lied vom Turmhahn... , hach, wirklich, einfach zu traut und heimatlich, wie das klingt.. 'Zu Cleversulzbach im Unterland, hundertdreizehn Jahr ich stand....""Oh," frohlockte die Sacherine, "und dann, dann ist er weggeflogen, weil die Leutchen nicht fromm genug gebetet haben unter der pastoralen 'Ägide' ihres" Poetlein", oder was? " "Aber nein, so hören sie doch...". "Nichts da, basta", so Cousinchen, "jetzt will ich Ihnen einmal etwas sagen: Die Reden von diesen protestantischen Kirchenleuten, also, die kenne ich. So erzählt meine Freundin Mirabella doch gerne von diesen Konfirmationsgottesmännern, die dringend davon abraten, 'den Gott in der Musik zu suchen'. Der Vetter Harry kolportiert gar, daß sein calvinistischer Onkel, Magister Samuel Sorgenvoll in Barmen unerbittlich vor jeder Zierde an der Kirchenbank warne, etwa so: "Hermann, und nenn dich bitte nicht immer Harry, nach diesem ornamentalen Herrn Heine, Hermann, jeder Schnörkel an der Kirchenbank, lenkt dich doch in seinem Übermut vom wahren uind schlichten Glaubenserleben ab. Nicht dem Kirchenraume, dem Herrn dienen wir hier.' . Finden Sie den Rilke doch neurasthenisch oder schwülstig oder wie auch immer... Mit seiner 'Ode an Bellman' hat er aber doch recht, machen es diese Lieder nicht ...'daß ich das Feld, das Laub, die Sterne höre......' "

 

"Hämmh, Hämmh", der Pädagoge. "Secundum ordinem", die Base, "jetzt mal ernsthaft, wir sind hier nicht beim Wilhelm Busch. Schauen Sie doch, der Bellman, der wusste doch auch, wovon er redet, Magister Hermonius, hat ihn ausgebildet, sein geistlicher Oheim, und die "Evangelischen Todesgedanken" des David von Schweinitz, die hat er aus ins Schwedische übertragen, so viel betreffend die hoehere religiöse Erziehung. Aber dennoch:  Überlegen Sie' s doch nur: natürlich kann man den Leutchen von der Kanzel herab oder vom Katheder, wie in ihrem Falle, die tollsten Traktätchen und lebenskundlichen Belehrungen zuteil werden lassen, allein, was hilfts; sie werden sichs anhören... und? Besser und gerechter fühlen oder gar danach handeln? wer weiß. ...  ?  . Der Bellman, der mischte sich unter die Menschen, er unterhielt sie, er hob sie doch mit seiner Kunst, er urteilte nicht; er ließ jeden so sein, wie er halt nun mal war, seine Abenteuer erleben, auch wenn sie nicht immer ruhmreich waren, oder das Haus gerade abbrannte, die Schlägereien , die Liebschaften oder der Tod .... na das Leben eben. Und daß das alles Episteln an die Gemeinde im' Krug', oder wie Sie es ausdrücken würden, in der 'Wirtschaft' gerichtet waren? Da hört man doch eh besser zu als in der Kirche. Und die Schankdame wird zur Venus, ist doch schön, einfach mal eine Göttin zu sein, oder? Nun, so denke ich, wirds der Mörike vielleicht auch gehalten haben. Man braucht halt auch die Sonnenstrahlen der Poesie im Leben, net nur 'schaffe, schaffe Häusle baue'. Das kann man ja nebenbei auch noch, wenn mans überhaupt kann. "Nun machen Sie einmal halblang, Werteste, die Gedichte lernen wir doch auch in der Schule..., den Turmhahn, ich erwähnte es schon, ich sage immer, Schillers Glocke für die Unterländer, ja, ja." . "Ja, jaa" , meinte die Sacherine, "dann sehen Sie es ja auch, ohne die Dichter gehts halt nicht. Mein Vetter Harry, der hat es gerade in einer Berliner Zeitung gelesen, da hält er sich gerade auf, wissen Sie. Gut, vielleicht wars auch in einem Frankfurter Blatt.  Der kluge Schreiber* äußerte in Bezug auf die Möglichkeiten der neuerdings vom Hochrhein her aufkommenden Ansichtspostkarten, möglichst mit Fotos, und auch  den Diavorträgen über Reisen, die Ilnas Mann immer so hält, so etwas wie "Was ist denn die Strudlhofstiege ohne den Heimito von Doderer" '- und prompt hat mir der Hermann Harry den Wien-Besuch abgesagt. Nun, würde Erasmus sagen, was wüssten wir um die Schlacht um Troja ohne einen Homer, der sie besang, die Archäologen hätten doch ohne ihn hier nichts zum Graben - aber ich sehe da noch ein Weiteres. "Hm, ja, die Kraft der Worte, das leuchtet mir ein" - unter Anwendung dieser Bemerkung taute der ehrbare Schulmeister langsam auf. "Aber die großen Mythen, also ein bißchen unsachlich können die schon sein, und für schwache Naturen sehr verführerisch. " "Da sind sie ja ganz bei mir ", freute sich meine Cousine, "wie wir aber vom empfindsamen Heinrich Heine wissen, muss aber nicht mal das Nibelungenlied, irgendwelche merkwürdigen urgermanischen Verkrustungen zutage befördern, man kennt doch nicht  einmal den Urheber. aber die Qualität, auch die der Sprache, die ist ja immens, ein Stück von Literatur mit Weltrang halt.

 

Dichter gibst ja hier in süddeutschen Landen gerade genug. Das Ländle der Poeten und Großfamilien, sagt Hermann Harry immer, und der kennt sich mit Tantchen bestens aus, wie sagt er so schön "Man kann in der Wilhelma nicht mal in Ruhe den Affen beim Lausen zuschauen, weil das gleich irgendeine Großtante mit 25 Enkeln um die Ecke kommt und einen Dichter findet man in jedem Orte - öfters als der Zug hält...". Aber ich glaube, solange sich um die großen Mythen solche Leute wie der Heine und der France Preseren in der slowenischen Sprache kümmern, da sind sie noch in guten Händen. Also ich denke, die Idee mit den, ja, nennen wirs ruhig nationalen Epen, die hatten die bestimmt beide von August Wilhelm Schlegel und seiner Bewertung der Nibelungen und das mit Goethes Weltliteraturvorstellung gemischt, na ja, über meine Ansicht darüber hatte ich mich ja schon neulich geäußert. Man muss das ja nicht immer überhöhend sehen, eine nationale Mär kann ja auch zum Gespräch anregen .... wie sagt es der Herr Preseren so schön: ... nicht Feind, nur Nachbar mehr fortan. Das sollte man sich doch in die vaterländischen Hymnen schreiben -  hat das nicht Schillersche Größe...? ... seid umschlungen, Millionen... . Stellen Sie sich das doch einmal vor, ein Stammtisch, der Deutsche redet von den Nibelungen, der Slowene von der Taufe an der Savica, der Pole vom Pan Tadeusz, der Grieche vom Odysseus und der Belgier von Verhaerens "Toute la Flandre" , der Finne vom Kalevala, der Spanier sowieso, das Leben ein Traum .... ,  der Mann aus dem Morgenlande von 1001 Nacht oder seine Frau vom 1001 Tag -  und der Franzose kennt das schon von Lesage ... und sie heben die Gläser und erzählen von ihrem Lande, so wie man seine Wohnung vorführt... bei Euch ist das so, ach ja, bei uns wäre das ....". 

"Ja,  das klingt wohl behaglich - ", so nickte der Pädagoge zustimmend, "aber mei Viertele bräucht ich da scho dazu, wie der Möckmühler so sagt. "Nun, da wären wir uns ja einig," frohlockte Sacherine, " Preseren schrieb das ja auch in sein Trinklied, die  Zdravljica,  also das mit dem Gläserheben - aber was ich mich frage ist" - und jetzt wurde sie plötzlich  nachdenklich, was denken Sie eigentlich, wie das so kommen kann, daß ein Ernst Moritz Arndt auf seinen Reisen nach Schweden oder in slowenische Lande so anteilsvoll sich zeigt, so offen. Er bewundert die künstlerische Freiheit eines Bellman oder eines Johann Tobias Sergel, erkennt deren Phantasie und Menschlichkeit... . Gut, es waren modische Abenteuerrreisen, Sensationslust, aber sei`' s drum; er besucht die Bergwerke von Falun im nordländischen Schweden und  im slowenischen Idria gleichermassen - übrigens hat ja nicht unbedingt diesen Hochmut gegenüber den "einfacheren Slowenen" durchblicken lassen, den der "Reisende Deutsche" auch mal gerne so vor sich herträgt und in dem er wahrscheinlich durch die Volkslieder aus Crain eines Anastasius Grün unfreiwillig noch befeuert wurde ... sind wir Germanen doch das Land der Dichter und so weiter. Und dann der spätere Arndt, Fragen über Fragen" "Nun, da täte es Not, in hoch komplizierte Verhältnisse historischer Größenordnungen einzutreten ... was sagt denn eigentlich ein Seume dazu?" "Oh nein, bitte bleiben Sie mir mit dem jetzt aber weg, lieber Herr, wie heißen Sie noch mal, Hoesle-Bodenklopf, oder so ähnlich, " seufzte Sacherinchen, "der war doch einer von denen, die meinem geliebten Vetter Harry die Reise nach Italien mit ihren so gern zitierten Passagen, oder, wie er es sagt, durch ständige Wiederholung halt zu Phrasen gewordenen Zitate, verunglimpft hat. Seinen Freund Otto Boyer, diesen Düsseldorfer Maler und Schreiber, den hat's über diese literarischen Ergüsse der Winckelmann's, Rilkes und  wie die Enthusiasten alle  so heissen, Goethe nicht zu vergessen, nach Spanien getrieben, "Fuegos fatuos" soll ein phantastisches Buch über seine Reise dorthin sein, dass er verfasst hat, wenn ich dem bunten Hunde Harry glauben darf. Aber ob er auf den Spuren Seumes noch nach Slowenien reisen will, wer weiss, ... sonst muss er halt nachlesen in der sehr kundigen und fesselnden Betrachtung von

 

Korbinian Erdmann

"Kleines Wunderland, hat an der äußersten Grenze",

Das Bild des heutigen Slowenien in länderbeschreibender Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts

Dissertation, Universität Köln 2016, Erstveröffentlichung September 2017 

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*Frankfurter Rundschau

 

Google Street View

"Die Freiheit der Einbildung

von Arno Widmann

19. 3. 2018

m.fr.de>kultur>literatur

 

Was hat denn die Mondscheinsonate mit der Ljubljanica zu tun?

Behende huschte mein Bäsle Sacherina Schlagobers die legendären Stufen der Strudlhofstiege  hinab und folgte ihrem schon bei der Bahn aufgegebenen Gepäcke nach Berlin. Während sie die lange Zugreise, selbstverständlich über die Strecke Stuttgart-Würzburg zurücklegte - das war man einem Heimito von Doderer schon schuldig - sass ich im Cafehaus Huth und überlegte, was ich einer Zugereisten von der Donau blauem Strande wohl im Spreeathen so bieten konnte. Man möchte ja die Stadt, in der man sich  jeweils aufhält von ihrer  möglichst besten Seite vorführen - und im Besonderen auch sich selbst mit seinen angelesenen Wissensoasen, die man so mühsam bewässert, ganz en passant in das rechte Licht setzen - zumal, wenn es eine fesche Wienerin zu beeindrucken gilt.

Während ich noch mein bis zum Anschlag gestopftes Hirn zermarterte, welche Stadtführung ich ihr wohl tunlichst angedeihen lassen könnte, verließ sie gerade den Zug im lieblichen Möckmühl - den so unheilschwangeren Tunnel hinter Stuttgart hatte sie offenbar lebendig passiert.  Die braven Wirtskinder Hetty und Hucko aus dem gar gastlichen "Württemberger Hofe" holten sie mit einem Schemelchen an den Abtheilstufen ab - ist es doch für die Damenwelt in hochmodischen Pantoletten nicht immer einfach, den so tiefgelegenen Bahnsteig des malerischen Städtchens zu erreichen, ohne sich die zarten Knöchelchen zu zerknicken. Ich finde das im Übrigen einen ganz  prächtigen Einfall von dem guten Wirte Kaiserle: ein gastliches Etablissement zu errichten, nächst der romantischen Flussauen an denen sich die die Wasser der jagenden Jagst und der gemütlich vor sich hinplätschernden Seckach in hingebungsvollem Kusse vereinigen - und das nach dem Ausbau der Bahnstrecke. Sehr geschäftstüchtig. Da werden noch spätere Generationen absteigen - wenns die Bahn solange macht. 

 

Nun galt es für sie, ein weiteres Hindernis zu überwinden - die Eingangstreppe zur Wirtschaft, noch hübsch glibschig vom Seifenschaum, mit dem der gute Hausgeist Mimi sie gerade behandelt hatte. "Wartet Sie doch, glei' isch die Treppe trocke", besorgte sich die Mimi, "sind Sie die Dame, die nach Berlin durchreist ... ich sage immer, jeder echte Berliner ist ein Schlesier und falls sie ihn dort antreffet, so grüßet Sie mir doch den Carl

 Hauptmann und natürlich auch den Gerhard - so unter uns Gaschtwirtskindern. Wusstet Sie eigentlich, daß schon die Düsseldorfer Meisterin des Piano, ha noi, net Clara Schumann, aber die Elly Ney, diese Stufen heraufglaufe isch und die Dame Hartmann-Riedel - die hat den Fritz Wunderlich noch in einem von diese neumodische Kinderwagen gschobe, als er nur schreie konnt'." "Ach ja." bemerkte mein Cousinchen etwas spitzig. Sie machte neuerdings auch "In Musik". Das hatte sie von ihrer Intima Paula Piano, die sich in Laibach und damit auch in Wien als Klaviervirtuosin einen Namen gemacht hatte, Sie kennen doch die "Ivory Elfenbein"; im Cabaret firmiert sie unter "Ebony Schwarzlack" und accompagniert meiner lieben Freundin Ilna Wunderwald, die als "Diseuse" im  Wiener Cabaret Fledermaus reussiert - zur besonderen Freude von Egon Friedell,  Oskar Kokoschka, Gustav Klimt und natürlich ganz besonders zur endgültigen Verzückung von Peter Altenberg. Die Gefährtin des "Sandlers" wundert sich darob nachhaltig. Und der Busoni nippt an seinem Glaserl derweil.

 

Zurück zum Geschehen. "Ach ja," bemerkte also meine Verwandte Sacherina Schlagobers mokant, also, wir, die wir so zur neuen Generation gehören, wir sagen immer, "Jeder echte Wiener ist ein Laibacher", zumindest, was die Musik angeht. Man muss das einmal weltkünstlerisch betrachten, also unter dem Gesichtspunkte der Qualität. Der Beethoven zum Beispiel, der hat's erkannt, der schrieb doch an die slowenische Pianistin Maria Kosak Pachler, wie sehr er ihr Spiel schätze, wie sehr es seine Werke trage,  halt nicht so mechanisch und affektionshaft. Ganz einfach, so wollte er sein musikalisches Erbe verwaltet sehen, wie das Klavierspiel aus ihren - slowenischen - Händen. Das ist doch mal ein historisches Vermächtnis. Sie wissen schon, was ich meine, ihm gings ums Spiel, um die Wiedergabe der Stücke mit wirklichem Gefühl halt, nicht mit so einem angenommenen, nennen Sie´s doch echte Freude an der Musik  Ich zumindest halte nicht viel von diesem vielbeschworenen deutschsprachigen Ideal und Nationalgeiste. Man spielt halt nicht Klavier, man hat einen Ibach-Flügel; man braucht ein Studio zum Üben und einen gehobenen Konzertsaal. Nach geübtem Beifall und ein zwei Zugaben verläßt man den ehrwürdigen Saal gemessenen Schrittes und conversiert mit der Gattin , die üblichen Phrasen, eine Veranstaltung halt. Die Slowenen, ja die spielen, sie verausgaben sich und wenn die Musik einen mitreißt, dann gehts halt bis in die berühmten Puppen. Mit viel Wein. Na und überhaupt: dieses Überdeutsche:

Säckingen ist wohl schön, und die Postkarten haben sie dort auch erdacht, übrigens eine nette Idee des findigen ortsansässigen Postmeisters, aber mit den germanischen Anwandlungen des Victor von Scheffel und eines Herrn von Samhaber können sie mir wegbleiben. Ich finde es gar nicht schade, wenn der Trompeter aus Biskuitporzellan zum Polterabend zerklirrt, besser als daß er sein wehleidiges Beerdigungsliedchen spielt, und  ", so betonte sie mit Nachdruck, "glauben Sie ernsthaft, daß die Menscher was von Musik verstehen, die statt einer Büste des Ludwig van Beethoven sich vom beliebigen Tabakwarenhändler eine vom Turnvater Jahn mit seinem Liebegottbart andrehen lassen? Die wünschen sich doch einen Urwald mit wilden Tieren ums teutsche Land, damit die alle welschen Eindringlinge wegfressen. Aber: Apropos Beethoven: auch  seine juristischen Geschäfte besorgte natürlich: ein Slowene, Herr Demsar, Beethoven widmete ihm doch den Kanon "Muß es sein", kennen Sie den...und die legendäre Aufführung, die er dem so ergreifenden a-moll Quartett angedeihen ließ? Ja, und betreffend den berühmten Geigers Ignaz Schuppanzigh, der mit seinen Interpretationen so viel für des Kompositeuren Ruhm besorgte: sein Vater war ein slowenischer Professor in Graz. Wen wunderts, ist doch die sagenhafte "academia philharmonicorum labacensium"  nicht schon im Jahre 1701 ins Leben gerufen worden? Wußten Sie nicht , daß die Philharmonische Gesellschaft Laibachs, modern gesagt, Ljubljanas, der älteste Musikverein der Monarchie ist, gegründet 1794, ganze Achtzehn Jahre vor dem Wiener entstand er. "

Der gerade mit seiner Pfeife und ohne den Rohrstock vorbeispazierende Leiter der Volksschule, Herr Praeceptor Gottmild Hoesle-Bodenschlag mischte sich dazu. "Darf ich Sie fragen, Werteste, war nicht auch der tugendhafte Joseph Haydn dort Ehrenmitglied, seit 1800, die Aufführungen von 1801, die der  der Paukenmesse und der Schöpfung in Ljubljana, sie sind doch in aller Munde gewesen. Das könnte ich doch eigentlich in Teilen mit dem örtlichen Gesangsverein "Seckachspatzen"  einstudieren, das wär wohl zu machen". "Ach, freute sich mein Bäsle, dann wissen Sie ja auch , daß der gute Johannes Brahms dort Ehrenmitglied war - Gustav Mahler dirigierte sie gleich während zweier Jahre, wars nicht 1881-82? Davon zeugt doch noch sein Denkmal - und der Bau, vom Otto Wagner - sein slowenischer Schüler Plecnik spendierte uns Wienern dafür das Wanzenhaus, äh Zacherlhaus - nun, die Schädlingsbekämpfer habens halt bezahlt. Aber sie haben ja recht,  Niccolo Paganini, der Teufelsgeiger Tartini, ach nein, dessen Denkmal steht ja in Piran, immerhin, auch dies ist in Slowenien. Aber der arme Franz Schubert, der hat sich nach Ljubljana mal umsonst beworben

. Und wem ist die Mondscheinsonate wohl gewidmet, natürlich einer Slowenin, ihr Mann Graf Wenzel Robert Gallenberg, Musiktheoretiker seines Zeichens, hatte da mal ein Theater, Kaerntnerhoftheater oder so; nun ja, war nichts, Finanzruin wie bei so vielen, Kunst kommt nun mal von Können und viel Geld kostet sie auch, die Sache mit den Einnahmen ist eben auch keine leichte. Aber die Mondscheinsonate, die eignete der Beethoven dessen Frau zu, Giulietta Guiccardi . Ist ja auch kein Wunder. Auf den Bildhüllen der Schellackplatten fürs Grammophon  zeigen sie immer Caspar David Friedrichs Männer am Meer. Aber setzen sie sich mal an die nächtlichen Ufer der Ljubljanica, sehen sie die Säulen der Schusterbrücke ihr Bild auf den Wellen des Flusses spiegeln, wie das schimmert, herrlich, und die verträumten Weidenbäume im Mondenschein .... Trauerweiden, fast wie an  den Flussauen in den englischen Grafschaften, die wie die Sossen heißen, Worchestershire oder Orchestersauce, sagt mein Onkel immer, und der weiss das, der ist ja Koch. Nun, ich denk da immer an Shakespeare, Barbary`s Lied ..."...sing all a green willow shall be my garland ... ."

 

Darauf der interessierte Schulmeister: "Der Coriolan, nein ich meine den Vogel, also der Corolan, dieser neckische Gartenammer, sie kennen seinen Gesang aus den Eingangstakten von Beethovens imposanter 'Fünfter', tatata taaahhh, tatata taaaahhhh,... gibt's den auf dem slowenischen Lande noch häufig, oder braten sie den da auch so gerne in Speck wie die Franzosen. oder in Karstschinken und Birnenschnaps, muss ja nicht immer Armagnac sein, so frage ich Sie?". Die Base: "Nun, soweit kenne ich die slowenische Küche nicht, bei mir reicht's gerade für strukli und potice, aber Gott ja, ich finde in diese reizenden Naturlandschaften denkt man sich ohnehin lieber die 6, die Pastorale, Opus 68, die sanfte Ländliche. Nicht umsonst hat sie der Beethoven den Laibachern verehrt.Ist ja, wenn man so will die leichteste, die liebliche, fast schon verspielte Musik des zuweilen grimmen Meisters.  Die Slowenen, ja, die werden die Partitur bestimmt noch in hundert Jahren in ihren Archiven horten, es passt doch alles zu schön.... Warum ist eigentlich der Antonin Dvorak kein Slowene, vom Temperament her würde das schon passen....Na, vielleicht ziehts ja mal einen seiner zahlreichern Nachfahren hierher..."

 

So, und dies alles flüsterte mir ein Vögelchen bis ins ferne Berlin, der kleine Spatz, der da unten die Küchenkrümel aufpickte, auf dem Pflaster zu meinen Füssen, ja, der wars. Sie müssen verstehen, dass ich ganz schnell von meiner unsinnigen Idee abkam, eine Führung durchs musikalische Berlin vorzubereiten; der Olle Fritz komponierte in Potsdam, die Kulissen von E.T.A. Hoffmanns zauberhafter Undine waren einem Theaterbrand zum Opfer gefallen .... Und der arme Compositeur müsste es auch noch mit ansehen .... Da wären mir doch die Augen genauso aus denn Hoehlen gesprungen wie dem armen Nathanael unter dem Einfluss des Sandmanns Coppola. Und überhaupt. Die Berliner Philharmoniker kannte Sacherine schon, die waren längst in Laibach aufgetreten . Als gebürtiger Düsseldorfer könnte ich mein Cousinchen nicht wirklich beeindrucken. Beethoven stammte aus Bonn - im Rhein, im heiligen Strome, da spiegelte sich nun mal der Dom von Köln und, diese vermaledeiten "Beiden Grenadiere", diese Apotheosen auf  Napoleon des Heinrich Heine und des Robert Schumann, oder schlimmer noch, vertont auch von Richard Wagner, von denen könnte ich doch einer Freundin des slowenischen überreichen Musiklebens nichts erzählen - die Philharmonische Gesellschaft in Ljubljana hatte wenig zu spielen unter Napoleon zur Zeit der Kontinentalen Sperre und der damit verbundenen Besetzung der Illyrischen Provinzen.

Vielleicht waren die Musikusse  ja im Gegensatz zu Herrn Preseren froh, dass der Metternich sie gleich mitrestituiert hat - zum Mitglied ihrer Vereinigung haben sie ihn jedenfalls ernannt.

So verzichtete ich in Gedanken auf meine prospektiven  Kulturrundgang - wäre sie doch in diesem Zusammenhang nur ein weiterer "Mord, den jeder begeht", in diesem Falle zum Glück nur an meinem Ruf  bezüglich meiner herausragenden Kompetenz als musikkundiger Stadtführer. 

 

Slovenska filharmonija

Kongresni trg 10

1000 Ljubljana

info@filharmonija.si

 

Näheres zum Thema  in

Wiener Musikgeschichte

Annäherungen - Analysen - Ausblicke

 

Festschrift für Hartmut Krones, Hg; Julia Bungardt, Maria Helfgott, Eike Rathgeber, Nikolaus Urbanek

Wien 2009,

Wien und Slowenien von Primoz Kuret, S. 277 ff 

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...

da fragt mich doch mein in geographischen Dingen so bewanderter Freund Meridianus Drift beim diesjährigen

"Donausalon" in der Baden-Württembergischen Landesvertretung: 

 

"Was hat denn eigentlich dieses herzige Slowenien mit der Donau zu tun, die fließt doch durch eher durch Ungarn... . Nicht, daß ich vor diesem Stande mit den herrlichen Landschaftsimpressionen nicht gerne meine Maultaschen genieße, aber auch dies Gericht verbinde ich doch eher mit dem Ursprungsgebiet dieses romantischen Stromes, ja,  ja, Donaudampfschiffahrtskapitän müßte man sein. " "Wohl, wohl, aber ehemalige Donaumonarchie, oder Kakanien ist es doch immerhin, wenn man mal den Robert Musil bemühen will...." .

So wollte ich es gerade einwenden und schon mischte sich ein gelehrt aussehender Herr ins kaum begonnene Gespräch  - in seiner Lodentracht war er unschwer als ein "Freistaatler" ausgewiesen.

 "Darf ich sie in aller Bescheidenheit darüber unterrichten, daß des Feuchtwangers "Hässliche Herzogin" Margarethe von Maultasch nicht nur die angebliche Namensgeberin für diese süddeutsche Delikatesse ist - nein, schon der überaus gelehrte und Africa-Reisende Johann Weichardt von  Valvasor beschrieb in seinen Schriften die äußerst unangenehmen Erfahrungen mit der Herzogin von Tirol.

Beachten sie auch die hervorragenden Kupferstiche von Feldkirchen und Dietrichstein, die aus der Werkstatt des Valvasor gezeichnete sind, nein, es war nicht alles aus den Händen von Merian*, was Sie so an frühen Stichen aus Kärnten oder auf slowenisch halt "Koroska" finden. Und überhaupt, begeben sie sich doch einmal auf die Spuren dieses universalen Gelehrten aus Ljubljana. Was finden  Sie nicht alles für Begebenheiten und Beobachtungen in seiner "Ehre des Herzogthums Crain" verzeichnet? Übrigens schon erschienen anno 1689, aber jetzt nageln sie mich nicht auf das Datum fest. Reisen Sie auf seinen Spuren durch Slovenija, beginnen Sie in Ljubljana, wurde nicht seine Geschichte vom "Povodnji moz", dem Wassermann zum Vorbild für eine der bekanntesten Gedichte des unglaublichen France Preseren, ein wahrer Goethe, Heine, E. T. A.. Hoffmann der Slowenen. Sein Denkmal können Sie am Presernov Trg nächst den "Tromostovje" von Plecnik besichtigen. Hach, zu seinen Füßen versammelt sich auch gern das lustige Studentenvölkchen.. Ist nicht auch der Tanzplatz nebst der Linde, wo Schön-Urska die heimische Herrenwelt zum Narren  hielt, auch  heute noch zu sehen? Dachten Sie bisher, daß der kluge Kant der erste Wissenschaftler gewesen sei, der das Phänomen der Periodischen Seen und ihren temporär schwindenden Wassern  beschrieben hätte? So bereisen  Sie doch das Naturwunder des berühmten Zirknitzer Sees und seinen Sie gewiß, daß auch dieses schon vom Herrn Valvasor festgehalten wurde. Edmond Halley, der Entdecker des nach ihm bekannten Kometen, der wies ihm dafür seinen Platz in der "Londoner Königlichen Gesellschaft" berechtigtermaßen zu. Und wenn Sie bisher dachten, daß Vampire transsylvanischen Ursprungs sind, auch hier verweise ich Sie auf den slowenischen Polyhistor, der Solches schon für ein kroatisches Dorf beschrieben hat. Und wenn sie mal eine richtige Grotte durchfahren wollen und dafür nicht gleich den Kontinent verlassen wollen; so fahren Sie doch zur Jama Postojna, auf gut deutsch gesagt, der Adelsberger Grotte in die unterirdische Höhlenwelt die auch wieder schon Herr Valvasor als die Heimat des bemerkenswerten Grottenolmes festmachte. Und auf Bogensperk oder der Wagensburg, einer höchst romantischen, so nebenbei bemerkt, da hatte er sein Labor, heute werden dort Hochzeiten ausgerichtet. Und die schneeweißen Pferde, passen zur Hochzeitskutsche, na ja , nicht ganz, aber die Lippizaner, die werden auch in Slowenien gezüchtet, ich sage nur Lipica und Piber, schauen sie sich das an, bevors weiter zur Wiener Hofreitschule geht

.

 - Und die drei Spitzen des sagenhaften Triglav zieren nicht nur das slowenische Wappen, die könnens aber beim Alpenglühn mit Laurins Rosengarten allemal aufnehmen. Und die dazugehörige Verssage vom Zlatorog und den Bergjungfrauen, nun, die ist bei Bedarf hervorrragend auf deutsch nachzulesen, in den Worten des Herrn Rudolf Baumbach aus Meiningen.  Ach ja, und der Bleder See mit der  Wunschglocke, ach, ich verstehe es ja nicht, daß es etliche Reisende gibt, die Slowenien lediglich als Durchgangsland nach Kroatien passieren, finden Sie hier nicht unzählige verzweigte Wege durch  Weinberge mit Kapellchen und freundlichen Winzern, die dem durstigen Wandersmann gerne ein Schwätzchen und ein Tröpfchen gönnen, und ein verschämtes Streifchen Adria, bietet dieses Slowenien doch auch, ich sage nur "Istria Splendid Palace..." 

 

So, das wär dann mein Beitrag zur ITB, für mich gibts hier nicht mehr viel zu sagen, doch, über dies kleine Land wäre noch großes zu sagen, aber man sollte ja nicht alle Rahmen sprengen ... und ... 

 

wenn Sie wissen wollen, was der Herr aus Bayern in Baden-Württembergischen Hause zu besorgen hatte, so  wird er sie hinweisen aufs das 

 

Slowenische Fremdenverkehrsamt

Maximiliansplatz 12a

80333 München 

 

089-29161 202

 

Landesvertretung Baden-Württemberg beim Bund

Tiergartenstr. 15

10785 Berlin

030-254 56 -0

 

*um mich als echter Freund eines bezaubernden Fleckens im "Ländle" auszuweisen und aus persönlichen sentimentalen Gründen , gilt es anzufügen, daß es auch von dem sehr bereisenswerten bezaubernden Möckmühl einen schönen Stich aus Merianscher Hand gibt; historische Lektüre entstand auch auf der dortigen Burg - dem einstigen Amtssitz des Goetz von Berlichingen in Form des "Parsifal", den Wolfram von Eschenbach dorten höchstselbst verfasste; des weiteren lebte dort ein Fräulein Hellmann, besser bekannt als  Hermann Hesses "Lulu" - und Schillers Schwester Louise als die Pfarrfrau Franck

Auch das ist eine Reise wert in den regionalen Umkreis des "Käthchens von Heilbronn"

 

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... Gefüllt mit rotem Rebensaft... 

 

oder mit einem schönen Schaumwein auf den Weltfrauentag am 8. März und eine passende Neuerscheinung in diesem Zusammenhang: die Autobiographie der Alma Maximiliana Karlin mit dem aussagekräftigen Titel 

"Ein Mensch wird", verfasst Anfang der 1930ger Jahre. 

In diesem Buch, aus dem die Herausgeberin Jerneja Jezernik schon am 26. Oktober 2017 im Literaturhaus gelesen hat, beschreibt Alma Karlin ihren Lebensweg, den sie unter schwierigen Bedingungen antrat. Humorvoll schildert sie, wie ihre schon vergleichsweise in den Jahren herangerückte Mutter der überraschenden Schwangerschaft gewahr wird und wie die von Geburt an halbseitig gelähmte kleine Alma ihre umfänglichen Entwicklungsreisen im wahrsten Sinne des Wortes als Weltenwandlerin auf beiden Beinen begeht. So vergleichsweise leicht, wie die hervorragende schwedische Weltreisende und Initiatorin der schwedischen Frauenbewegung und Zeitgenossin des France Preseren,  Friederike Bremer (1801 - 1865),  die von Hause aus begütert war, hatte sie es dabei nicht.  Ihre während der Reisen zum Lebenserhalt ausgeübten Tätigkeiten als Journalistin haben ihr aber dieselben ermöglicht und uns die lesenswerten Berichte. Haltung hat die tapfere Alma auch unter schwierigen Bedingungen in der Heimat bewiesen, als leider auch in der Gegend um Celje herum die politischen Verhältnisse sich verdüsterten ... .

Erst 2010 wurden ihre Werke ins Slowenische übersetzt, war sie doch unter den Weltkriegsjahren ohnehin wegen ihrer Widerständigkeit beiseitegedrückt, in den jugoslawischen Jahren als Repräsentantin des K. u. K. und eben der deutschsprachigen Episode in slowenischen Landen nicht comme il faut. Besonders liebevoll erörtert dies alles Jerneja Jezernik, auch in dem der Ausgabe beigefügten Nachwort.

 

Alma Karlin, Ein Mensch wird -  Auf dem Weg zur Weltreisenden, Hg.: Jerneja Jezernik, AvivA Verlag März 2018

 

Ein Hoch! also auf die tapfere "Einsame Weltreisende" Alma  Karlin, die mich in ihrer Zähigkeit an die willensstarke Klein-My aus den märchenhaften Mumin-Geschichten der Tove Jansson erinnert, übrigens einer beherzten Vorkämpferin für die finnische "queer"-Bewegung, die schon in Zeiten mit einer Frau zusammenlebte, als das dort  noch gesetzlich untersagt war. Meine liebe Freundin und unerschrockene Geistesverwandte all dieser eindrucksvollen Damen, die kennen Sie ja schon: Ilna Ewers-Wunderwald; ihre Reisen führten sie nach Südamerika, nach Indien und nach Capri - an der Seite ihres damaligen Mannes Hanns Heinz Ewers, der seine Eindrücke auflagenstark veröffentlichte und etliche Diavorträge darüber zum Besten gab - alles im Auftrag seines Verlegers. Ilna Wunderwald aber war weit mehr als lediglich die Begleiterin und Gestalterin der herrlichen Umschläge der Reisebücher des vermarktungstüchtigen Herren an ihrer Seite. Sie erdachte  wunderbare Menuekarten für die Hamburg-Amerika-Linie, war die in jeder Hinsicht einsatzbereite Mitentdeckerin der "Grotta Maravigliosa", einer vielfarbig schillernden Sensation auf Capri neben der vom Heinzelmännchen-Verfasser August Kopisch - wie es das von ihm hart erkämpfte Patent festhält - zum ersten Mal befahrenen Blauen Grotte, dem Sehnsuchtort aller Romantiker. Nicht zuletzt wies Sven Brömsel, auch Ende Oktober letzten Jahres, also zeitgleich zur Berliner Karlin-Lesung in seinem Ewers-feature am 28. 10. im  Deutschlandfunk darauf hin, daß es von Ilna Ewers-Wunderwald herrliche eigenständige Tagebuchnotizen über die Indienfahrt gebe, die einer Entdeckung lohnen ...., vielleicht auch den Vergleich mit den Berichten und Reiseerfahrungen der Frau Karlin .. ..

 

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... und natürlich auf die wunderbare Nachricht, daß dieses kleine und feine Slowenien in seiner ganzen literarischen Größe als Ehrengast auf die Frankfurter Buchmesse 2022 geladen ist

 

und da es da doch so viel zu entdecken gibt - welches Land hat wohl eine vergleichbare Dichte an Dichtern aufzuweisen, konnte man gleich mal damit anfangen, z. B. am 

 

23. Februar 2018 um 20.00 im behaglichen Kaminzimmer des

 

LITERATURHAUS BERLIN  

Fasanenstrasse 23

10719 Berlin 

 

 

 

Der Lyriker und Kritiker Aljaz Koprivnikar setzte dort seine Reihe

 

Junge slowenische Prosa fort, diesmal mit

 

Anja Mugerli und Ana Schnabl; Moderation: Thorsten Dönges

 

nicht, daß slowenische Dichtung und auch Prosa allein schon ob der bezaubernden Schönheit dieser so musikalisch bewegten Sprache einen Genuss für sich darstellt, gar ganz im Sinne des Théophile Gautier, eine art pour l'art für den wahren Ästhetizisten bieten kann; nein, für den der es wissen will, wurde das Ganze auch noch in Übersetzungen von Bostjan Dvorak vorgestellt. Es ist doch nicht nur eine höchst eigenartige und bereichernde Erfahrung, Übertragungen ins Deutsche von einem ausgewiesenen slowenisch-deutschen Sprachwissenschaftler, universalen Kenner vieler Disziplinen und auch unermüdlich Reisenden  im "Dienste des Humboldtschen Wissenbegriffs" erleben zu dürfen - die Übersetzungen Dvoraks faszinieren auch durch eigentümliche Wortwahl  und einem Schwerpunkt auf einem geradezu liedhaften Takt und eigene Rhythmik  ... Erzählungen aus einer bemerkenswerten Welt ...

 

vorgetragen wurde hier von Ana Schnabl selbst aus ihrem Roman "Meisterstück", zu erahnen war aus dem Prolog  daß es sich um eine höchst komplexe Liebesbeziehung in der Zeit kurz nach der Verselbständigung der Republik Slowenien handelte, einer Zeit, die nach den Wirren des Ausstiegs dieser kleinen und doch nicht nur wirtschaftlich so bedeutenden Einheit aus dem großen Komplex Jugolslawiens natürlich hoch politisch aufgeladen war. Die Schriftstellerin zeigte mit ihren teilweise minutiös beschriebenen auch psychologisch detailreichen Schilderungen, daß auch Liebesbeziehungen in großen Zeiten der Umwälzung eine  nicht zu unterschätzende Rolle spielen und, wie sie meinte, vielleicht sogar ganz anders entstehen und erlebt werden ...  man darf gespannt sein auf einen Roman im Roman... erst recht nach der Lesung von Urs Remond, der das ganze auch für deutsche Ohren zum Klingen brachte ...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

... und dann rät Euch das gerne auch jederzeit Freund  Bellman aus Stockholm. Sein gar fröhlicher  "Bruder in Baccho" aus Slowenien, Herr Preseren, fasste das in obigste Worte seines Trinkliedes... Na denn: "Na Zdravje" oder "Skol ..."

 

und...

 

"Wo ist mein Schatz?" so fragte es sich in besessener Juwelensucht der arme Knabe Elis Froebohm im sagenhaften schwedischen Bergwerk von Falun - und weil er statt der Liebe der tugendhaften Ulla Dahlsjoeh zu folgen, zunehmend dem übermächtigen und verderblichen Zauber der Königin im Berg, der Männer übermannenden oder eher überfrauenden Kupferkönigin erlag, so fand er wegen der zu innig gestellten Frage nach dem falschen Schatz - dem blutrot funkelnden Almandin  -  den allzu frühen Tod in der einstürzenden Grube - 

 

So nachzulesen in der Meistermär der "Bergwerke zu Falun" des hervorragenden Berliner Kammergerichtrats E. T. A.  HOFFMANN. 

 

Auch der gute Herr Hoffmann selbst hat bestimmt des Öfteren sinniert, wo denn sein Herzensschmetterlingsschatz Julia wohl sich befinde und ob sie sich wohl wohl befinde. 

 

 

Dies eint ihn wiederum mit seinem ebenso großartigen  Krainer Juristenkollegen France PRESEREN, dem armen Doktor der Rechte, der wegen rechtsstaatlichen Ueberlegungen erst gar nicht zum Anwalt oder gar Gerichtsrat werden konnte und dessen verzweifelte Fragen nach seiner Julija den guten Slowenen zumindestens den literarischen Schatz seiner so überwältigenden Dichtung,  veröffentlicht als "Poezije", einbrachte. 

 

........ Und da die Zeiten nicht immer zu den wortgewordenen Überlegungen grosser Geister passen und gedankliche Folgerichtigkeiten oder gefühlter Überschwang versprachlichter Natur allenthalben zu Unruhen in gefestigten Systemen führen könnten, gab's ja nicht nur damals und dorten die Zensur, die diese beiden Herren genauestens im Auge hatte - Sei's  rund um den Gendarmenmarkt oder im K. u. K. Slowenien mit Metternichscher Restitutionspolitik in den naturreichen und - schoenen Illyrischen Provinzen nach der Periode napoleonischer Freiheiten. 

 

Damit wären wir dann auch schon beim "Dritten im Bunde"  der "Wo ist mein Schatz-Sucher" - wenn man den auch in der Filmindustrie so präsenten, aber nicht ganz so gutmeinenden Gollum - hier beiseite lässt:

 

Na, bei wem wohl? Beim Kenner der Lebenswelten der beiden  so exzellenten Künstlerjuristen, bei einem, der sowohl im Spreeathen als auch im lieblichen Laibach oder Ljubljana seine filmischen  Meisterspuren hinterließ, bei niemand geringerem als dem Vorbild vieler Regisseure.... Sie ahnen es schon... Beim gehobenen Beherrscher des hintergründigem Humors der alles aussprach ohne es auszufomulieren... Bei einem dieser klugen Männer mit Zigarre  -  beim  unvergessenen --- Ernst Lubitsch

 

"Wo ist mein Schatz? "  fragt in seinem Stummfilm in der 1916 zensurierten Version kein vom Liebesleid nach seiner Julia gebeutelter, in Tränenflüsse von Tinte sich ergiessender Romeo - sondern die Familie eines zum Herrenabend entschwebten Goettergattens. HONNY SO IT QUI MAL Y PENSE, sollte man denken. Der verlegene Gatterich, kein Rittersmann oder Knapp', aber dafür ein Herr von entsprechend mehr Furcht und Tadel, zog es vor, der jungen Gemahlin und dem horribilen Schwiegermutterklischeedrachen sein Ableben vorzugaukeln... Mit höchst erheiternden Folgekomplikationen eben in der Zeit "Als ich tot war" oder vielmehr besagtem Verzagen. Und da dachte ich immer, wenn man entseelt in der Gruft verwese, müsste man schlimmstenfalls aufs Odol oder Pembeco verzichten und in aller Drogeriemarktsferne vor sich hindünsten. 

 

So wurde meine Neugier geweckt und ich nahm in Babylon, Verzeihung, natürlich im Babylon , aber in
Berlin, höchst teinahmsvoll an der vielbeschworenen und bestens besuchten ersten deutschen Lubitsch-Konferenz teil. Von Höhepunkt zu Höhepunkt vibrierte das Gespräch zwischen dem lebendigen Slavoj Zizek und dem bewunderten und schon gesetzteren "Alten Meister  der Blechtrommel", Volker Schloendorff.. Beschworen wurde natürlich, und wer könnte da widersprechen, die filmgeschichtliche Messias-Trias Ernst Lubitsch, Fritz Lang und Billy Wilder - Ja, "Das Leben ist schön" mit deren filmischen Meisterstücken, und nach Meinung der klugen Disputanden hat sogar der so betitelte Film von Lubitschs Vorbild der "Vereindringlichung des Grauens durch humoreske Abstraktion im Rollenspiel" profitiert. Mit Betonung auf  ":political incorrectness". Ist es das hier wirklich? Da hätte ich gern noch den Billy Wilder Freund Kenner und Biographen Herrn Karassek vernommen, aber der ist halt leider kein Wiedergänger.

 

"VERY MUCH FASCINATING AND NICE" für uns - vergleichsweisen Nordlichter ist doch die Affinität unserer Berliner Meister der cineastischen Dramaturgie zu den "Preussen des Balkan", dem die braven Slowenen ja rein geographisch nicht einmal angehören. Dafür fanden sie in den neunziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts Lubitschs verlorengeglaubtes "Als ich tot war" in ihren Archiven. Die szenische Aufführung mit Schauspielern aus Ljubljana war 2016 auch in Berlin zu sehen und ist "Vom Feinsten".

Auch Fritz Lang weilte, nach seiner eigenen Einschätzung damals noch zum Maler oder Bildhauer berufen, im slowenischen Ljutomer,  in höchstem Masse angeregt und geistig verköstigt von Familie Grossman (eine charmante Namensgleichheit zum Initiator der Konferenz) -. Welch herrliche Verbindung zwischen "Metropolis?", was notorische Berlin-Spötter zu bezweifeln wagen, und dem fernen Slowenien samt seiner vielseitigen Kultur. 

 

Eine Lubitsch-Straße gibt's im hauptstädtischen Berlin freilich noch nicht - eine nach ihm benannte Restauration in der Charlottenburger "Bleistreugasse" aber schon. Dank an den Schauspieler Christian Roll, der jetzt - auch dort in einer nicht nur rhetorischen Glanzrolle -- die liebe Spiekerooger Pferdebahn kutschiert. 

Und wenn Ihr irgendeine Sorge habt, was Slowenische Kultur in Berlin angeht, so wendet Euch vertrauensvoll an das Slowenische Kulturzentrum in der Hauptstadt... Gregor Jagodic leitet es, hilft Euch weiter und spielt sowieso jede Klaviatur ...

 

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Das Literaturhaus in der Fasanenstrasse ist ein vortrefflicher Ort, besonders auch zum Sitzen, Plaudern und Sinnieren in herrlich historischem und dezent gehobenem Ambiente

 

. .. Besonders beeindruckt hat mich folgende Veranstaltung, ein

 

 

Literarischer Leseabend mit "PEN MIRA"

Nun ist ja Mira - die Wunderbare - nicht  nur die Namensgeberin eines gleichfalls wunderbar - einzigartigen Modemagasins für die Frau in der benachbarten Uhlandstraße, sondern repräsentiert als zutreffende Bezeichnung auch die Mitglieder des Frauenausschusses des Slowenischen Literaturzentrums, so empfehle ich :

 

 

Tanja Tuma las aus ihrem 2015 erschienenen Roman

 

"Kirschen, weiße und rote" "Cesnje, bele in rdece" - was für ein poetischer, verlockender Titel ... kenne ich rdece und belo doch sonst nur als Liebhaber guter Weine oder des Milchkaffees. Nun war die Lesung allerdings nicht ganz so verlockend, eher ergreifend, was mit den geschilderten Unruhen, Faschisten und Partisanen zu tun hatte; und wie ein kleines Mädchen das erlebte - Auswirkungen der großen Bewegungen und Erschütterungen betreffen doch sehr schmerzlich auch Regionen, die damit a priori nicht viel zu tun haben; leichter wurde es auch nicht, wenn

 

 

die Dichterin Miriam Drev in hoffentlich höchst erschütternde "Unrast" - "Nemir" versetzte, so der Titel ihres 2014 erschienenen Romans

 

 

moderiert wurde das Ganze von

 

Jerneja Jezernik,

der Verfasserin der Monogaphie"Staatsbürgerin der Welt"

es ist , wie ich meine ein höchst verdienstvolles Werk über die höchst bewegte und bewegende einsame Weltreisende

 

Alma Maximiliana Karlin 

die Freundin aber auch der Freund der Reiseliteratur sollte sie unbedingt kennen, sie erkundete ferne Lande zu Zeiten der Weimarer Republik, schildert sie aus der Sicht einer Frau - soviel ich weiß, war sie eine der auflagenstärksten Reîseliteratinnen ihrer Epoche, also sozusagen das weibliche Gegengewicht zu den ebenso viel gelesenen Waldemar Bonsels, der nicht nur die Biene Maja verfasste, sondern auch einen anregenden Indienreisebericht -  oder auch zum auflagenstarken Hanns Heinz Ewers, den ja nicht jeder heute goutieren mag - ich jedenfalls finde die Vorstellung höchst interessant und bedenkenswert, dieselben einmal mit den Heutigen zu vergleichen -auch über sich selbst überraschende Schlüsse kann jeder daraus ziehen! Und da  ich ja so viel von der Nord-Südost-Verbindung halte:

Keine Geringere als die geistige Mutter des Nils Holgersson, die vielgeschätzte Selma Lagerlöf, hielt Höchstes von Madame Karlin. Und: ermutigenderweise, für den der der zugegebenermaßen doch sehr sparsam verbreiteten Kenntnisse der schönen slowenischen Sprache nicht mächtig ist,: Frau Karlin ---

schrieb das alles auf Deutsch!

So, mehr erzähle dazu jetzt nicht, obwohl es noch viel zu berichten gäbe, verschaffen Sie sich das Bild selbst, zumindest bei Alma Karlin sollte es an der Sprache nicht scheitern; höchst verdienstvoll von Herrn Detlev Bluhm, diese Veranstaltung zu fördern - ein besonderer Genuß waren die musikalischen Einlagen von Izidor Erasem Grafenauer auf seiner Gitarre - hinreißend und ... ach , ich bin noch ganz im Bann dieses Abends ...

 

LITERATURHAUS BERLIN

Fasanenstraße 23

10719 Berlin

 

am Donnerstag dem 26. Oktober 2017

um 19.30

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Apropos Herbst oder jetzt halt schon Winter

 

auch der Martinstag war doch wieder mal ein ganz besonderer: Ich denk jetzt mal nicht an die fette Hafermastgans oder diezumindest unter uns fröhlichen Rheinländern allseits beliebten Karnevalskrapfen sondern an den guten Mann, der seinen Mantel mit einem armen Bettler teilte - es ist doch mal ein wirklich schöner und sinniger Brauch an ihn zu erinnern - interessant war mir aber diesmal der slowenische Martin - Frana Levstiks Martin Krpan, der Held eines Kinderbuches, das nunmehr hundert Jahre alt geworden ist. Gleich  seiner nördlicher beheimateten unerschrockenen Geistesverwandten Pippi Langstrumpf vermag auch er  er ein Pferd einfach so hochzuheben. Zugegeben, für einen ausgewachsenes Bild von einem  Mann ist das nicht ganz so eine herausragende Leistung, aber erfrischend und musikalisch und darstellerisch höchst ertragreich war die szenische  Darbietung im Literaturforum im Brecht-Haus in der Chauseestrasse am 10. November um 18. 30. h. Das hat, wie ich meine ganz hervorragend dort hingepaßt, sowohl darstellerisch - eine szenische Aufführung mit lediglich vier Aufführenden in wechselnden Rollen ..., Musik und Inszenierung erdacht von Sasa Potisk, in den Sinn kam mir auch der geplagte Gaul  in der Frankfurter Allee, stritten sich doch ein Steckenpferd und ein Salzsack darum, wer von Ihnen beiden das oder der wichtigere sei... Kann man getrost nachlesen im besagten Gedicht von  Bertolt Brecht oder im Märchen von der Gänsehirtin am Brunnen und sich seine eigene Meinung darüber bilden ... genauso wie über slowenische Salzsschmuggler und ostfriesische Teeinhibitionen unter Friedrich dem Grossen oder durch Napoleons Kontinentalsperre ... -

Leider wird man wohl für eine weitere Darbietung nach Slowenien reisen müssen ... aber der Weg in dieses Land lohnt doch allemal ....

 

Bestens  vorbereitet auf das  was man im lieblichen Ljubljana archtitektonisch geboten bekommt , wird man jedenfalls im Lettrétage, Mehringdamm 61, 10961 Berlin; dies unkonventionelle Literaturforum 

erfreute am 27. November nicht nur mit einer Lesung von jungen Slowenischen Autoren (Katja GorecanUros Prah und Kaja Terzan); zu Wort kam auch Dr. Jure Vuga und zwar nicht nur in Form seines "Lyrischen Ich", sondern auch mit einer höchst qualifizierten Präsentation des städtebaulichen Werks von Joze Plecnik (1872-1957)... . Nach einem Erdbeben im damaligen Laibach (1895) gestaltete er jahrzehntelang große Teile der Stadt nach einem umfassenden architektonischen Konzept in vielen individuellen, großenteils klassischen Anleihen aus und um; Kristian Tavcar präsentierte die Gesamtidee in einer Filmpräsentation, die gibts nun leider nicht mehr, aber die Plakatausstellung, die in Zusammenarbeit des Slowenischen Kultusministeriums mit dem  Plecnik Haus,  aber auch mit dem Tschechischen Zentrum und dem österreichischen Kulturforum erarbeitet wurde, bietet viel, nicht nur für Liebhaber der architektonischen Schüler eines Otto Wagner - 

 ... baulich gesehen ein herrlicher Kontrast zum eher gotisch inspirierten Schaffen eines Gaudi in Barcelona... also auf ins Lettrétage und dann ab ins südöstliche  Naturparadies zwischen Adria und Karawanken ...

mit einem der schönsten Weihnachtsmärkte der Welt, im Lichterglanz des schönbebrückten Ljubljana und dem Preseren-Dezember in Kranj..

 

 

 

 

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